Aktuelles

Mexikanische Polizei tötet Protestierende

Am 19.7. kamen bei Angriffen der mexikanischen Polizei auf protestierende Lehrer_innen und ihre Unterstützer_innen in Nochixtlán, im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, mindestens 10 Personen ums Leben, mehr als 100 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei schoss dabei scharf auf Protestierende, die eine Straßenblockade errichtet hatten. Mehrere der Toten und Verletzten wurden erschossen. Noch ist die Situation und der Hergang aber unklar.

Was allerdings klar ist: Die Repression der mexikanische Regierung ist in den letzten Tagen und Wochen so brutal gewesen, wie seit langem nicht mehr. Sie richtet sich vor allem gegen die kritisch Lehrer_innen-Gewerkschaft Coordinadora Nacional de Trabajadores de la Educación (CNTE, Nationale Koordination der Bildungsarbeiter_innen) und ihre Unterstützer_innen. Die CNTE protestiert und streikt seit Monaten – vor allem in ihren Hochburgen Oaxaca und Chiapas – gegen die umfassende neoliberale Umgestaltung des mexikanischen Bildungswesens, die Privatisierung der Bildung, Entlassungen von politisch missliebigen oder gewerkschaftlich-organisierten Lehrer_innen, die Entpolitisierung der Lehrer_innen-Ausbildung, Zeitverträge statt Festeinstellung für die Lehrer_innen, neoliberale Umgestaltung der Lerninhalte und so weiter vorsieht. Die mexikanische Regierung hat diese Umgestaltung ohne Dialog mit den Lehrer_innen durchgesetzt und zeigte sich trotz der anhaltend starken Proteste gegen das Bildungsgesetz nicht gesprächsbereit. Stattdessen diffamierte sie die Lehrer_innen, nahm die Anführer_innen der CNTE unter fingierten Vorwürfen fest und setzte immer wieder massiv die Polizei gegen die Proteste ein – es kam schon vor dem 19.7. immer wieder zu Toten, Verletzte und Verschleppten. Auch die Verschleppung der 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa im September 2014 ist im Kontext der Repression gegen den Widerstand bezüglich der Umgestaltung des Bildungswesens zu sehen. Die kommerziellen Massenmedien assistierten der Regierung mit einer gezielten Kampagnen, die die Lehrer_innen als „Faulenzer_innen“, „Besitzstandswahrer_innen“ usw. in ein schlechtes Licht stellen wollten.

Dennoch solidarisierten sich große Teile der Bevölkerung in Form von sozialen Organisationen, Schüler_innen, Eltern, ländlichen Gemeinden, Stadtteilen und so weiter in den letzten Wochen mit den streikenden Lehrer_innen und ihren Forderungen. Gemeinsam verteidigte man sich gegen die Polizei, die an vielen Orten vertrieben werden konnte. Die Lehrer_innen besetzten zentrale Plätze etwa den Zocalo in Oaxaca-Stadt und errichteten Straßenblockaden an vielen großen Überlandstraßen, so dass der (Waren-)Verkehr in einigen Landesteilen teilweise zum Erliegen kam. Als die Regierung Aufstandsbekämpfungseinheiten der Polizei nach Chiapas und Oaxaca verlegen wollte, blockierten viele solidarische Gemeinden weitere Straßen, so dass die Polizeitransporter tagelang nicht durchkamen und Polizeieinheiten per Flugzeug eingeflogen werden mussten.

Die Regierung verweigerte weiterhin jeden Dialog und setzte stattdessen am 18. und 19.7. massive Polizeigewalt ein, um den Widerstand zu brechen – nicht nur in Nochixtlán. Aber die CNTE und die solidarische Bevölkerung in Mexiko geben nicht auf – ihre Proteste sind in den letzten Tagen eher stärker geworden. Mittlerweile hat die Regierung auch in Verhandlungen mit der CNTE eingewilligt – bisher jedoch ohne Ergebnisse.

Gleichzeitig beginnen nun Ärzte und Krankenpfleger_innen in Mexiko immer stärkere Proteste gegen die neoliberale Privatisierungs- und Austeritätsgesetzgebung der Regierung im Gesundheitssektor – auch sie haben sich bereits mit den Lehrer_innen solidarisch erklärt.

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Stand: 27.6.2016

Aktuelle Informationen auf Deutsch:
- Keine Einigung im Konflikt um Bildungsreform in Mexiko (amerika21, 26.6.)
- Krieg gegen Lehrer (jungewelt, 22.6.)
- Eskalation bei Lehrerprotesten in Mexiko fordert mehrere Todesopfer (ameria21, 22.6.)
- Podcast: Gewaltsame Repression gegen streikende Lehrer im Süden Mexikos (npla, 21.6.)
- Massaker in Mexiko (jungewelt, 21.6.)
- Lehrerstreik in Mexiko unter Beschuss (amerika21, 19.6. – noch vor der Agression in Nochixtlán geschrieben – stellt die Ereignisse bis dahin dar)

Hintergründe/Analysen:
- Die Übergriffe auf soziale Bewegungen nehmen zu“ – Interview mit Philipp Gerber zu CNTE (jungewelt, 7.1.)
- Staatsfeind Nr. 1 – Die Lehrer*innengewerkschaft CNTE ist Zielscheibe staatlicher Diskreditierung und Repression in Mexiko (Lateinamerikanachrichten, Sept./Okt. 2015)

Aktuelle Comunicados der Zapatistas zu dem Konflikt (deutsche Übersetzung):
- Mai: Zwischen Autoritarismus und Widerstand (30.5.)
- Anmerkung über den Krieg gegen die Lehrer_innen im Widerstand (17.6.)
- Mitten im Sturm (Erklärung zusammen mit dem Congreso Nacional Indigena, 20.6.)
- Die Stunde des Polizisten 4 (23.6.)


Proteste in Solidarität mit den streikenden Lehrer_innen, Mexiko Stadt, 26.6.2016

Aus Europa und Ozeanien: Erklärung in Solidarität mit den streikenden Lehrer_innen in Mexiko

Spanisches Original / comunicado original en español

Als Kollektive in Europa und Ozeanien fordern wir: Stoppt die Kriminalisierung und gewalttätige Bekämpfung des friedlichen Protests, der den Kampf der Lehrer_innen solidarisch unterstützt!

Wir, die Kollektive, zusammengesetzt aus Menschen Mexikos sowie Menschen aus verschiedenen Orten Europas und Ozeaniens, vereinen und erheben uns angesichts der aktuellen Lage in Mexiko erneut, um vom mexikanischen Staat zu fordern: Stoppt sofort die Gewalt und Angriffe, die der Staat an so vielen verschiedenen Punkten der mexikanischen Geographie gegen berechtigte Lehrer-innen-Bewegungen und friedlich demonstrierende Gruppen richtet.

Zugleich fordern wir vom mexikanischen Staat:
- die Achtung der Menschenrechte,
- die Achtung der Meinungsfreiheit,
- die Achtung der Freiheit, sich im Lande zu bewegen,
- die Achtung der Würde der Lehrerinnen und Lehrer in Mexiko.

Angesichts der letzten Ereignisse in verschiedenen Staaten der mexikanischen Republik, bei denen die Regierung eine systematische Unterdrückung der Bevölkerung ausgeübt hat, ist die Empörung und die Sorge in uns so groß, dass wir nicht still halten können, obwohl wir uns an so vielen verschiedenen und entfernten Orten der Welt befinden.

Wir wenden uns kategorisch gegen die Entlassung von bis zu 19.000 Lehrerinnen und Lehrern, die Bildungsminister Aurelio Nuño auf eine “schwarze Liste” gesetzt hat. Als weiteres Druckmittel, verwendet Nuño den Hinweis, dass er über Ersatzlehrer_innen verfügt, mit denen er diejenigen Lehrerinnen und Lehrer vertreten lassen kann, die weiterhin wegen der Proteste keinen Unterricht erteilen.
Dabei liegt der Grund für die Proteste und der sich daraus ergebenden Arbeitsausfälle beim Staat selbst, denn dieser hat die Lehrerinnen und Lehrer im Stich gelassen und ihre Rechte missachtet.

Wir machen Gabino Cué Menteagudo (Gouverneur von Oaxaca), Aurelio Nuño (mexikanischer Bildungsminister), Miguel Ángel Osorio Chong (mexikanischer Innenminister) und Enrique Peña Nieto (mexikanischer Präsident) für die humanitäre Notsituation verantwortlich, in der sich unsere Compañer@s in Oaxaca nach den Angriffen vom vergangenen Wochenende befinden. Bei den Angriffen gab es mehrere Tote und viele Verletzte. Die genannten Personen sind zudem für die körperliche und psychologische Integrität der Mitglieder der Sektion XXII (der Lehrer_innen-Gewerkschaft CNTE) und der Zivilbevölkerung Oaxacas sowie der aufständischen Lehrerinnen und Lehrer in dem Rest des Landes verantwortlich.

Die Ereignisse vom 26. September 2014 in Iguala, Guerrero sind ein klarer Beweis dafür, wie weit der mexikanische Staat mit der Unterdrückung der Bevölkerung gehen kann. Bis heute haben wir noch keine Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der 43 Studenten aus Ayotzinapa – Studenten, die Lehrer werden wollten. Wir können nicht zulassen, dass Ereignisse wie diese unaufhörlich immer wieder vorkommen, dass Straflosigkeit und Ungerechtigkeit über die Wahrheit dominieren, dass die Aufklärung von Straftaten, trotz professioneller, tiefgründiger und unabhängiger Untersuchungen, von der mexikanischen Regierung bedenkenlos und dreist verhindert wird.

Unsere Solidarität und unser absolutes Mitgefühl gilt den Lehrerinnen und Lehrern, die für eine tiefgreifende Verbesserung der Bildung kämpfen. Wir umarmen geschwisterlich all die, die sich für eine kritische Bildung einsetzen. Eine Bildung, die die Wirklichkeit in der heutigen Welt einbezieht und die die kulturelle Vielfalt Mexikos respektiert. Wir zollen Respekt und Bewunderung all denjenigen, die sich dafür einsetzen, ein Land aufzubauen, in dem die Menschen das Bewusstsein und das Interesse haben, die Gesellschaft zu verändern.

Stopp der systematischen Verletzung der Menschenrechte der mexikanischen Bevölkerung!
Für die Verteidigung der öffentlichen, laizistischen, kritischen und qualitativ hochwertigen Bildung!
Für die Verteidigung der Rechte auf Arbeit und auf eine Gewerkschaft! Weg mit korrupten Gewerkschaftsleitungen!
Freiheit für die Lehrer_innen, die noch im Hochsicherheitsgefängnis in Nayarit inhaftiert sind!
Freiheit für alle politischen Gefangenen Mexikos!
Für die 43 Studenten aus Ayotzinapa und für die tausende Vermisste Mexikos!
Für ein politisches Gerichtsverfahren gegen Peña Nieto!

Netzwerk von Kollektiven in Europa und Ozeanien, unterschrieben von:


Mexi-Belga (Belgien)
Activistas Internacionales por México (Baskenland, Katalonien, Frankreich und USA)
Saving México Dutch-Mexican Solidarity (Niederlande)
¡Alerta! Lateinamerika Gruppe Düsseldorf (Deutschland)
Bordamos por la Paz, Paris (Frankreich)
Cochehua-Colectivo Despertar (Schweiz)
Manchester For Ayotzinapa (Großbritannien)
Solidaridad con Ayotiznapa Suecia (Schweden)
Australia in Action for Ayotzinapa (Australien)
Mexican solidarity in Australia (Australien)
Kollektiv Por Ayotzinapa Hamburg (Deutschland)
Collectif Paris-Ayotzinapa (Frankreich)
YA-BASTA-NETZ! (Deutschland)

Globaler Aktionstag: Gerechtigkeit für Berta Cáceres!

versión en Español/spanische Version

Im Rahmen des Globalen Aktionstages für unsere ermordete Compañera Berta Cáceres am 15.6.2016, fordern wir gemeinsam mit COPINH/Honduras und Hunderten Organisationen weltweit:

1. die sofortige Zusammenstellung einer unabhängigen Ermittler_innen-Gruppe durch die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH), um den Mord an Berta Cáceres aufzuklären und alle Verantwortlichen zu bestrafen;

2. die sofortige und entgültige Aufhebung der Erlaubnis zum Bau des Wasserkraftstaudamms “Agua Zarca” in der Region Río Blanco durch die Firma DESA.

Außerdem stellen wir fest, dass die vom honduranischen Staat bisher umgesetzten Aktivitäten diesbezüglich unzureichend sind, nicht für Gerechtigkeit sorgen und im Gegenteil dazu führen, dass dieses Verbechen ungestraft bleibt.

Lasst uns gemeinsam dem Morden, der Straflosigkeit und der Ungerechtigkeit ein Ende bereiten!

Nach dem feigen Mord an Berta haben wir im März dieses Video für sie gemacht.

¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf

Desde Düsseldorf/Alemania: ¡Justicia para Berta Cáceres!

deutsche Version/versión en Aleman

En el marco de la Acción Global “Justicia para Berta Càceres” este 15 de junio 2016, exigimos junto con COPINH/Honduras y cientos de organisaciones en todo el mundo:

1. La conformación inmediata de una Grupo de Investigación Independiente propiciado por la CIDH para esclarecer este vil crimen y garantizar el enjuiciamiento de todos los responsables.

2. La cancelación inmediata y definitiva de la concesión otorgada a DESA constructora del Proyecto Hidroeléctrico de “Agua Zarca” en Río Blanco.

Además constatamos: Las acciones realizadas por el Estado hondureño y sus organismos son insuficientes, no conducen a la justicia, por el contrario están procurando que este crimen quede en la impunidad.

Entonces: Juntémonos y pongamos un alto a la muerte, a la impunidad a la injusticia.

Despúes del vil asesinato publicamos este video para Berta.

¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf

Video Gaby Baca – Mujeres Brujas (Düsseldorf)

Gaby Baca, „La Baca Loca“ spielt Mujeres Brujas – die Video- und Ton-Aufnahmen entstanden während ihres Besuchs und Konzerts bei uns im Juni 2016.

Gaby Baca Vaughan, „La Baca Loca“ interpretando Mujeres Brujas. Grabación informal en una terturia con amigos en la ciudad de Düsseldorf, Alemania en junio del 2016.

Erinnerung an Berta Cáceres auf der feministischen Demo in Köln / 12.3.2016

[Deutsch]
Bei der feministischen Demo anlässlich des Internationalen Weltfrauentages am 12.3. in Köln mit über 4.000 Teilnehmer_innen erinnerten wir mit einem Transparent an unsere Compañera Berta Cáceres, die am 2.3. wegen ihres Kampfes ermordet wurde.

[Español]
En la manifestación feminista en el marco del Día Internacional de la Lucha Feminista el 12.3. en Colonia, Alemania, con más que 4.000 participantes recordamos con una pancarta a nuestra compañera Berta Cáceres quien fue asesinado por su lucha el 2.3.

Unsere Compañera Berta Cáceres wurde ermordet – Werdet aktiv!

„Ihr Leben war das einer Kämpferin, das einer Kriegerin, die ohne Angst den unmoralischen Mächten dieses kapitalistischen, ausbeuterischen und unmenschlichen Systems entgegengetreten ist.“
(aus der Erklärung von COPINH)

Mit Wut und Schmerz trauern wir um unsere Compañera Berta Cáceres, indigene, anti-kapitalistischen Umweltaktivistin und Feministin aus Honduras. Sie wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. März, einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag, in ihrem Haus ermordet. Berta hat uns 2012 in Düsseldorf besucht und von ihrem Kampf berichtet. In unseren Herzen und in unseren Kämpfen wird sie weiterleben. Wir haben ihr daher einen Brief geschrieben und nach Honduras geschickt. Hier findet ihr ihn auf Spanisch und Deutsch.

Als Teil von COPINH (Rat indigener und sozialer Organisationen Honduras) kämpfte Berta gegen den Raub und die Zerstörung des Landes. Transnationale Konzerne im Verbund mit honduranischen Eliten rauben der lokalen Bevölkerung durch Gewalt und Betrug das Land, um seine Reichtümer in ihre Waren und ihren Gewinn zu verwandeln. An diesem modernen Kolonialismus sind auch deutsche Unternehmen beteiligt: Unterstützt von der deutschen Bundesregierung sind Siemens und VoithHydro beteiligt am Bau des Staudamms Agua Zarca, gegen den COPINH und Berta unermüdlich kämpfen. Er würde die Gemeinden und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zerstören, um billigen Strom für Bergbauprojekte zu erzeugen. Bergbauprojekte, die den Menschen weiteren Raub und weitere Zerstörung bringen würden.

Berta, COPINH und die indigenen Gemeinden haben für ihren mutigen Kampf teuer bezahlt: In den letzten Jahren sind bereits zwei Aktivisten ermordet worden. Berta erhielt immer wieder Drohungen, wurde mit Anklagen und Ermittlungen überzogen, diffamiert und inhaftiert. Nun wurde Berta für ihren Kampf ermordet. Hinter diesem Mord stehen die mächtigen Gegner, gegen die sie kämpfte, hinter dem Mord stehen auch Siemens, VoithHydro und die deutsche Regierung. Berta wurde, wie COPINH es in ihrer liebevollen und kämpferischen Erklärung ausdrücken, „von Ungerechtigkeit, Hass und Rassismus ermordet“.

Um noch mehr Zerstörung, Ungerechtigkeit und Tod zu verhindern, bitten wir euch, euch an der Protestbriefaktion der Honduras-Delegation zu beteiligen. Zentrale Forderungen sind die Einsetzung einer Internationalen Kommission zur Untersuchung des Mordfalls und der Rückzug der an dem umstrittenen Staudammprojekt beteiligten Firmen aus dem Bauvorhaben. Dies sind auch zentrale Anliegen von Cáceres‘ Familie und von COPINH.

Dies ist um so wichtiger, als die honduranischen Behörden nun versuchen, ein Mordmotiv aus persönlichen Gründen zu konstruieren und vor allem gegen COPINH und Bertas Familie ermitteln. Ebenso ist der mexikanische Aktivist Gustavo Castro, der zur Zeit des Mordes an Berta bei ihr war und ebenfalls durch die Mörder verletzt wurde, in akuter Gefahr. Er ist eine zentraler Zeuge des Mordes, muss nun aber in Honduras um sein Leben fürchten. Dennoch lassen ihn die honduranischen Behörden nicht ausreisen. Seine Organisation Otros Mundos Chiapas hat daher eine Eilaktion für ihn gestartet. Die ihr hier auf Englisch und Spanisch findet. Bitte unterstützt auch diese Aktion!

Wir trauern um Berta, aber wir werden weiter kämpfen und den Kampf von COPINH solidarisch unterstützen.

„Wachen wir auf! Wach auf, Menschheit! Wir haben keine Zeit mehr. Wir müssen unser befreien vom räuberischen Kapitalismus, von Rassismus und vom Patriarchat, die uns die sichere Selbstzerstörung bringen werden. […] Unsere Mutter Erde – militarisiert, eingezäunt, vergiftet, ein Ort an dem systematisch die menschlichen Grundrechte verletzt werden – verlangt von uns, dass wir aktiv werden. Lasst uns Gesellschaften schaffen, in denen es möglich ist, dass alle in Würde und Gerechtigkeit zusammenleben und das Leben zu schützen. Lasst uns organisieren und hoffnungsvoll bleiben.“
(Berta Cáceres, April 2015 )

Berta, ¡la lucha sigue! Der Kampf geht weiter!

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Weitere Informationen:

Aktiv werden!
- Protestbriefaktion der Honduras-Delegation zur Aufklärung des Mordes und zum Ende des tödlichen Staudammprojekts Agua Zarca
- Eilaktion für Gustavo Castro, wichtiger Zeuge zum Mord an Berta – auf Englisch und Spanisch

Zum Mord an Berta
- „Von Ungerechtigkeit, Hass und Rassismus ermordet“ Erklärung von COPINH zur Ermordung von Berta Cáceres in Honduras
- aktuelle Meldungen zum Fall und COPINH bei amerika21
- Bestürzung über Mord an Aktivistin Berta Cáceres in Honduras
- Proteste nach Ermordung von Aktivistin Berta Cáceres in Honduras
- Manipulation und Gefährdung eines Zeugen im Fall Cáceres in Honduras
- Video – Nachrichtenbericht: Remembering Berta Cáceres, Assassinated Honduras Indigenous & Environmental Leader ( 4.3.) in Englisch
- R. I. P. Berta Cáceres – Sie wurde ermordet! Deutsche Beteiligung am Agua Zarca
- Berta Cáceres, Honduran human rights and environment activist, murdered
- Honduras: Indigenous Leader Murdered Despite Police Protection
- Erklärung verschiedener Organisationen weltweit zum Mord an Berta
- Dossier von Desinformemonos, Mexiko zum Mord an Berta (Spanisch)

Hintergründe: Berta, der Kampf von COPINH und die Role von Siemens und VoithHydro
- Website von COPINH (Spanisch)
- Video: Vorstellung Berta und COPINH anlässlich der Verleihung des Goldman Environmental Prize (Englisch/Spanisch)
- Video mit Rede von Berta (4 Min.) in Spanisch mit englischen Untertiteln
- Video-Interview mit Berta (1 Std.) in Spanisch
- Interview mit Berta Cáceres – „Der Nobelpreis für die EU – ein absurdes Theater“ (Tierra y Libertad, 2012/13, Seite 3)
- Interview mit Berta: „Ich lasse mich nicht unterkriegen!“ (2013)
- Video: Berta Cáceres Rede bei der Verleihung des Goldman Enviromental Prize, 2015
- Grüner Kolonialismus in Honduras
- Konflikt um Staudammprojekt in Honduras hält an (25.2.2016)
- Militärs in Honduras töten Staudammgegner (2013)
- Indigene wehren sich gegen Staudammprojekt (2013)
- Deutsche Firma an umstrittenem Kraftwerk beteiligt (2013)
- Aktivist in Honduras ermordet, neue Repressalien gegen bekannte Aktivistin (2015)
- Siemens geht Nachfragen zu Menschenrechten aus dem Weg (2015)
- Studie über das Wasserkraftwerk Agua Zarca und die Verteidigung des Lenca-Territoriums Río Blanco

Allgemein
- Website der Honduras Delegation
- Website der Menschenrechtskette Honduras CADEHO

Du bleibst bei uns…

versión en Español/spanische Version

An Berta,

Düsseldorf, Deutschland, 8.3.2016
Internationaler Tag des feministischen Kampfes

Voll Schmerz und Wut erhielten wir die Nachricht der schrecklichen Ereignissen vom 2. März in La Esperanza, Honduras. Im Morgengrauen haben sich die dunklen Mächte der Eliten und transnationalen Konzerne ihrer schmutzigen Machenschaften bedient, um diejenigen aus dem Weg zu räumen, die gegen ihre tödlichen Projekte Widerstand leisten. Dort, wo die neoliberale Eroberung wütet, ist das Leben zerbrechlich und schnell vergänglich – insbesondere für Leute wie dich, Berta, die sich für die Rechte der einfachen Bevölkerung und der Frauen einsetzen und das Fundament des neuen Kolonialismus angreifen. Jenes neuen Kolonialismus, der mit seinen vielfältigen Erscheinungsformen das Leben zerstört: der Ausbeutung, dem Rassismus, der Plünderung und dem Mord.

Ihre Absicht war, uns dein Leben zu rauben, dein so wertvolles Leben, Berta. Sie haben uns damit große Schmerzen zugefügt, aber statt lähmende Angst zu verbreiten, haben sie die Empörung und den Ruf nach Gerechtigkeit vergrößert.

Sie haben nicht gesiegt, Berta, du hast gesiegt! Mit deinem unermüdlichen Kampf für die Flüsse, für die Mutter Erde, für die Indigenen, für die Frauen – mit deiner Überzeugung für das Leben hast du die ganze Menschheit bereichert.

Kann man jemanden töten, der gelebt hat, um das Leben zu verteidigen?

Man kann den Körper töten aber nicht die Würde, die Wahrheit, die Freiheit und die Hoffnung, denn sie sind unsterblich, ebenso wie deine unzerbrechliche Kraft, die das Körperliche übersteigt.

Wir haben Dich nicht verloren. Du bleibst bei uns.

Du lebst weiter im Fluss Gualcarque und seinen Tälern, die du standhaft verteidigt hast. Du lebst weiter im fruchtbaren Boden des angestammten Gebietes der Lenca, wo du Tag für Tag auflebst in Natur, die du liebtest. Du lebst weiter im Lächeln der Kinder, die in den Flüssen spielen und sich erfrischen – jenen Flüssen, die überall und immer das Leben der Menschen sicherstellen. Du lebst in unseren Herzen weiter, in denen wir dich 2012 bei deinem Besuch bei uns in Düsseldorf aufgenommen haben. Du wirst weiterleben in den heutigen Kämpfen und in denen, die kommen werden. Du wirst weiterleben in den Schritten und Stimmen aller Menschen auf diesem Planeten, die sich dazu entschließen, Widerstand zu leisten und mutig den größten Feind der Natur, der Indigenen, der Menschenwürde und des Lebens anzugreifen: Den räuberischen Kapitalismus.

Danke für dein Vermächtnis, dein unnachgiebiges Engagement, deinen Mut, deine Aufrichtigkeit.

Tochter, Freundin, Genossin, Schwester Berta. Mutter aller Flüsse!

Auf bald, hasta siempre, Compañera!

¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf

Permaneces…

deutsche Version/versión en Aleman

A Berta,

Düsseldorf, Alemania, 8.3.2016
Día Internacional de la Lucha Feminista

Recibimos con dolor y rabia la noticia de los terribles acontecimientos en La Esperanza, Honduras. Aquella madrugada del 2 de Marzo donde las fuerzas oscuras, oligarcas y trasnacionales echan mano de sucias estrategias para eliminar del camino a quienes se oponen a sus proyectos de muerte. En territorios donde tratan de imponer políticas de expansión neoliberal, la vida es frágil y efímera especialmente para aquellos que como tú, Berta, han apostado por los derechos de los pueblos y de las mujeres así como por la destrucción de los cimientos en los que se asientan las nuevas formas de colonización y su modelo destructor de toda forma de vida con sus diversas fachadas como son la explotación, el racismo, el despojo y la muerte.

Quisieron arrebatarnos una vida, tu tan preciada vida, Berta. Con ello nos han causado un profundo dolor, pero muy lejos de globalizar el miedo que paraliza, se han extendido la indignación y el clamor por la Justicia.

No vencieron ellos Berta, ¡venciste tú!. Con tu lucha incansable a favor de los ríos, de la madre tierra, de los pueblos indígenas y de las mujeres y con tu doctrina de vida que beneficias a la humanidad entera.

¿Se puede matar a quien ha vivido para defender la vida?

Podrán matar la materia pero no la dignidad, la verdad, la libertad y la esperanza ya que son imperecederas, así como tu inquebrantable fuerza que trasciende más allá de la materia.

No te perdimos, ¡Permaneces!

Seguirás presente en el río Gualcarque y sus cuencas que con tenacidad defendiste, en la tierra fértil del territorio ancestral de Lenca, donde renacerás día a día en la naturaleza que tanto amaste.

Seguirás presente en las sonrisas de los niños que juguetean y refrescan sus cuerpos en el caudal de cada río que garantiza la vida de los pueblos en cualquier calendario y en cualquier geografía. Seguirás presente en nuestros corazones que te albergan desde aquel 2012 durante tu estancia con nosotros en Düsseldorf. Estarás presente en las luchas actuales y en las venideras, en los pasos y en las voces de todos aquellos y aquellas que en cualquier parte del planeta, decidan resistir y enfrentar valientemente al mayor enemigo de la naturaleza, de los pueblos originarios, de la dignidad humana y de la vida misma: el capitalismo depredador.

Gracias por tu legado de compromiso indoblegable, de valentía y entereza.

Hija, amiga, compañera, hermana Berta. ¡Madre de todos los ríos!

¡Hasta siempre compañera!

Alerta! – Grupo de solidaridad Düsseldorf – Latinoamérica

Colonia Dignidad: Verurteiltes Mitglied der Führungsriege lebt weitgehend unbehelligt in Krefeld


Hartmut Hopp, wohnhaft in Krefeld, wird wegen seiner Verbrechen in der Colonia Dignidad von Interpol gesucht.

Momentan läuft in den Kinos der Spielfilm „Colonia Dignidad – Es gibt kein zurück“. Darin werden die Verbrechen in der Colonia Dignidad, einer deutschen Sektensiedlung in Chile, thematisiert. Die Colonia war jahrzehntelang Ort schwerster Menschenrechtsverletzungen. Hier wurden Gegner_innen der Pinochet-Diktatur gefoltert und ermordet, unzählige Kinder systematisch sexuell missbraucht.

Seit 2011 leben zwei Mitglieder der Führungsriege der Colonia Dignidad in Krefeld: Das Ehepaar Hartmut und Dorothea Hopp waren seit den 1970er Jahren Teil der Führung der Sektensiedlung und sind damit verantwortlich für unzählige schwere Verbrechen. Hartmut Hopp war nach dem Sektenführer Paul Schäfer die „Nr. 2“ der Colonia. Er war als „Außenminister“ der abgeschotteten Siedlung zuständig für die Beziehungen zur chilenischen Diktatur, hatte persönlichen Kontakt zu Diktator Pinochet und anderen Regierungsmitgliedern. Auch in der deutschen Botschaft war er ein häufiger und gern gesehener Gast.

Die Verbrechen von Hartmut Hopp
Hopp unterhielt zudem sehr gute Kontakte zu Manuel Contreras, Chef des berüchtigten chilenischen Geheimdiensts DINA. Während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) arbeitete die Colonia Dignidad eng mit dem DINA zusammen und diente als Zentrum für Folter und Mord. Der Geheimdienst verschleppte politische Aktivist_innen in die Siedlung und folterte sie dort. Über 100 von ihnen wurden ermordet oder gelten bis heute als verschwunden. Hartmut Hopp wirkte in seiner Funktion als „Außenminister“ auch an illegalem Waffenhandel und anderen zwielichtigen Geschäften mit, an denen die Sekte zusammen mit deutschen, chilenischen und internationalen Unternehmen und staatlichen Stellen beteiligt war.

Auch innerhalb der Colonia Dignidad besaß Hartmut Hopp Führungsfunktionen. Jahrzehntelang kam es hier zu systematische Misshandlung, sexueller Gewalt und Folter von unzähligen Kindern und Erwachsenen. Auch Kinder aus dem Umland, die der Sekte vom chilenischen Staat anvertraut wurden oder die das Krankenhaus der Colonia aufsuchten, wurden hier körperlich und psychisch misshandelt und mussten sexuelle Gewalt erleben. Hopp war Arzt und Krankenhausleiter der Colonia Dignidad. In diesem Krankenhaus wurden Jungen und Mädchen mit Elektroschocks und Medikamenten gefoltert. Nach Zeugenaussagen machte er Minderjährige durch den Einfluss von Medikamenten gefügig, damit sie sexuell missbraucht werden können. Lotti Packmor, der es gelang, aus der Siedlung zu fliehen, berichtete: „Die Kinder standen immer unter starken Medikamenten. Mit einigen Helfern und Herrn Dr. Hopp und Dr. Gisela Seewald wurden die Kinder Tag und Nacht beaufsichtigt. […] In der Nacht wurden die Kinder völlig nackt in einem großen Raum [gelegt] […]. Regte sich ein Augenlid oder in der Intimgegend etwas, wurde das Kind aus dem Bett gerissen und von den betreffenden Personen geschlagen, als da sind: Manfred Schmidke, Hartmut Hopp. […] Viehtreiber hat man benutzt und die Kinder damit bearbeitet – Viehtreiber mit elektrischer Batterie.“ (Quelle)

Deutsche Behörden lassen das Ehepaar Hopp weitgehend in Ruhe
Als Hartmut Hopp wegen einiger dieser Verbrechen in Chile der Prozess gemacht wurde, floh er mit seiner Frau 2011 nach Deutschland. Zwei Jahre später wurde er in Chile in Abwesenheit wegen Beihilfe zu Vergewaltigung von Kindern in vier Fällen sowie sexuellem Missbrauch von Kindern in 16 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seitdem wird Hartmut Hopp von Interpol gesucht, doch einen chilenischen Auslieferungsantrag lehnte die deutsche Regierung ab. Nun hat Chile beantragt, dass Hopps Strafe in Deutschland vollstreckt wird. Der Staatsanwaltschaft Krefeld liegen laut dem Juristenverbandes European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) alle Unterlagen der chilenischen Justiz vor, um über die Vollstreckung des Urteils zu entscheiden. Doch weiterhin bewegt sich wenig. Auch bezüglich einer weiteren Strafanzeige gegen Hartmut Hopp wegen Mordes, schwerer Körperverletzung und Beihilfe zum sexuellen Missbrauch tut sich wenig. Diese Strafanzeige hatte das ECCHR 2011 zusätzlich zu dem Vollstreckungsantrag aus Chile gestellt. Eine Anklage wurde von der Krefelder Staatsanwaltschaft bislang nicht erhoben. Das, obwohl es ausreichend Ansatzpunkte für effektive Ermittlungen gegen Hopp gäbe: Bereits 1988 wurde gegen Hartmut Hopp bei der Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Hier wurden zahlreiche Zeugen vernommen und unzählige belastende Unterlagen eingereicht. Weitere Opfer der Colonia Dignidad leben in Deutschland und könnten konkret zum Fall Hopp aussagen.

Doch Hartmut Hopp und auch seine Frau leben weiterhin relativ ungestört in Krefeld. Die Verhinderungstaktik und Untätigkeit der deutschen Behörden diesbezüglich passen dabei in das Gesamtbild der deutschen Politik gegenüber den Verbrechen der Colonia Dignidad und die chilenische Diktatur. Jahrzehntelang wurde die Colonia Dignidad von der deutschen Regierung und der deutschen Botschaft unterstützt und beschützt. Bis heute liegen im Auswärtigen Amt stapelweise Akten unter Verschluss, die bei der Aufklärung der Verbrechen und der Rolle der deutschen Politik darin helfen könnten. Während Opfer-Initiativen von der deutschen Regierung bis vor kurzem fast überhaupt nicht unterstützt wurden, wurde die Nachfolgesiedlung der Colonia Dignidad noch bis 2013 jährlich mit einer Viertel Millionen Euro von der Bundesregierung mitfinanziert.

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Weitere Infos:
- Artikel zur Colonia Dignidad und zu Hartmut Hopp bei amerika21
- Pascal Beuckert, Colonia-Dignidad in Krefeld, in: taz
- European Center for Constitutional and Human Rights – Stellungnahme zu der Rolle von Hartmut W. Hopp innerhalb der Colonia Dignidad . Seine Kollaboration mit dem Pinochet-Regime und Verbrechen an Bewohnern der Colonia Dignidad
- European Center for Constitutional and Human Rights – Colonia Dignidad: Strafverfahren gegen Hartmut Hopp in Deutschland
- Peter Burghardt, Deutsche Abgründe in Chile, in: Süddeutsche Zeitung
- Wolf-Dieter Vogel, Vom Folterkeller zum Freizeitpark, in: taz
- Horst Rückert, Deutsche Diplomaten und die Colonia Dignidad, in: amerika21
- ARD – Planet Wissen, Colonia Dignidad – gefangen in einer Sekte
- Thomas Stillbauer, Frankfurter deckten einst Skandal in Chile auf, in: Frankfurter Rundschau
- Meldungen und Berichte des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile-Lateinamerika zur Colonia Dignidad

Audio des Vortrags von Omar Garcia (Ayotzinapa)

Am 15.1.2015 besuchte uns Omar Garcia, Student der Hochschule von Ayotzinapa und Überlebender der Angriffe vom 26.9.2014, bei denen 43 Studenten vom mexikanischen Staat verschleppt wurden. Der Aktivist berichtet vor rund 100 Zuhörer_innen im Linken Zentrum über den Kampf der Eltern und Studenten von Ayotzinapa. Anschließend endstand mit ein paar der Besucher_innen dieses Foto.

Hier könnt ihr den Vortrag von Omar anhören und downloaden.

Café Clandestino: Schöner Abend mit toller Ausstellung

Am 13.11. fand unser erstes Café Clandestino statt, unsere neue Freitag-Abend-Kneipe im Linken Zentrum. Es war ein gelungener Abend. Rund 70 Besucher_innen schauten sich mit uns zusammen die Ausstellung der 43 Gemälde der verschleppten Studenten aus Ayotzinapa/Mexiko sowie die Doku „Ayotzinapa: Chronik eines Staatsverbrechens“ an. Auf den Fotos seht ihr, wie toll diese Ausstellung im Linken Zentrum aussah.
Für Februar planen wir unser nächstes Café Clandestino und freuen uns, euch dort zu sehen!

Düsseldorf: Solidarität mit den 43 verschleppten Studenten aus Ayotzinapa/Mexiko, ihren Angehörigen und Mitstudenten!

Rund 30 Menschen zeigten zusammen mit uns am 26.9.2015 in Düsseldorf ihre Solidarität mit den verschleppten Studenten aus Ayotzinapa/Mexiko, ihren Angehörigen und Mitstudenten. Mit einem Infostand und einer Fotoausstellung informierten wir anlässlich des 1. Jahrestages dieses Staatsverbrechens hunderte Passant_innen. Dabei protestierten wir auch gegen die Politik der deutschen Bundesregierung, die die Lügen und die Repression der mexikanischen Regierung unterstützt, Waffenlieferungen zuließ und ein Abkommen zur Zusammenarbeit mit der mexikanischen Polizei unterzeichnen will.

Zusammen mit Gruppen und Kollektiven in ganz Europa haben wir zum Jahrestag des Staatsverbrechens von Ayotzinapa außerdem die Erklärung „Seit einem Jahr: Uns fehlen 43 Compañeros! Uns fehlt die Wahrheit! Uns fehlt Gerechtigkeit!“ verfasst und nach Mexiko geschickt. Zu dieser haben wir auch ein Video erstellt.

In Europa, Mexiko und weltweit fanden rund um den Jahrestag vielfältige Aktionen und Veranstaltungen statt. Hier findet ihr eine Liste der Aktionen und Veranstaltungen in Europa. Omar Garcia, einer der Überlebenden des Polizeiangriffs vor einem Jahr, hat dazu vor ein paar Tagen eine Video-Botschaft an die solidarischen Menschen und Gruppen in Europa geschickt.

Omar Garcia war auch Teil der Delegation aus Ayotzinapa, die im Mai unter anderem am BUKO-Kongress in Münster teilgenommen hat. Hier findet ihr das Video der Informationsveranstaltung mit der Delegation sowie das Video der Protestkundgebung und einen Bericht über den Aufenthalt.

Vor einem Jahr, am 26.9.2014, wurden in Mexiko 43 Studenten der pädagogischen Fachschule von Ayotzinapa auf dem Rückweg von einer politischen Aktion von der Polizei verschleppt und sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. 6 weitere Menschen wurden dabei getötet, dutzende verletzt. Die Angehörigen und Mitstudenten der Verschleppten fordern seither die lebende Rückkehr der 43 und die Aufklärung dieses Staatsverbrechens. Dabei wurden sie von Millionen Menschen in Mexiko und weltweit unterstützt. In Mexiko kam es zu monatelangen Massenprotesten gegen die Arroganz der Regierung sowie die Gewalt von Staat und Drogenmafia gegen die Bevölkerung. Seit 2006 wurden durch Polizei, Militär und Drogenkartelle, die wie im Fall von Ayotzinapa oft gemeinsam agieren, 130.000 Menschen ermordet und 26.000 verschleppt – darunter viele Aktivist_innen. Fast keiner dieser Straftaten wurde aufgeklärt.

Dass die mexikanische Regierung kein Interesse an einer Aufklärung des Verbrechens von Ayotzinapa oder einem Ende der massenhaften Gewalt gegen die eigene Bevölkerung hat, zeigt sich auch an ihren Ermittlungen zu Ayotzinapa: Eine internationale Expert_innen-Kommission der Interamerikanischen Menschenrechtskommission hat nach monatelanger Recherche die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen als unhaltbar zurückgewiesen und unter anderem festgehalten, dass die Generalstaatsanwaltschaft absichtlich Beweise zurückgehalten hat.

Desde Düsseldorf/Alemania: Solidaridad con los 43 estudiantes desaparecidos de Ayotzinapa/México, sus familias y compañeros!

El 26 de septiembre 2015 desde Düsseldorf/Alemania declaramos nuestra solidaridad con los 43 estudiantes desaparecidos de Ayotzinapa/México, sus familias y compañeros. En el marco del aniversario de este crimen de estado protestamos con un mitín, conmemoramos con fotos de los 43 y informamos al público con un puesto de información. Tambien protestamos en contra de la política del gobierno alemán que apoya las mentiras y la represión del gobierno mexicano, permitiendo la venta de armas y pretendiendo firmar un acuerdo de cooperación con la policía mexicana.

Juntos con grupos y colectivos de toda Europa publicamos el comunicado „Desde hace un año: ¡Nos faltan 43 compañeros! ¡Nos falta la verdad! ¡Nos falta la justicia!“. En Europa se llevaron a cabo muchos actividades y manifestaciónes de solidaridad.

Tambien publicamos este video:

Seit einem Jahr: Uns fehlen 43 Compañeros! Uns fehlt die Wahrheit! Uns fehlt Gerechtigkeit!

versión en Español/spanische Version

Aus dem Europa von Unten und Links, 26. September 2015

Ein Jahr nachdem unserer 43 Compañeros, Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa/Mexiko, verschleppt wurden, vergessen wir nicht.

Wir vergessen nicht unsere 43 Compañeros, ihre Lebendigkeit und ihren Kampf für ein anderes Mexiko.
Wir vergessen nicht den Schmerz und die Kraft ihrer Familien, die unermüdlich für ihre Rückkehr und für Gerechtigkeit kämpfen.
Wir vergessen nicht die Proteste und Massenmobilisierungen in Mexiko und weltweit, die sich diesem Kampf anschlossen.
Wir vergessen nicht, dass das, was in Ayotzinapa geschah, ein Staatsverbrechen ist.
Wir vergessen nicht die Lügen und die Arroganz der mexikanischen Regierung.
Wir vergessen nicht die Morde, die Verschleppungen, die Vertreibungen, den Raub und die Repression des mexikanischen Staates und der Drogenkartelle in ganz Mexiko.
Wir vergessen nicht die 130.000 Todesopfer und die 26.000 Verschleppten, die Opfer der Gewalt wurden.
Wir vergessen nicht, wie die europäischen Regierungen das verbrecherische und korrupte mexikanische Regime decken und mit Stellungnahmen und Waffenlieferungen unterstützen.

Wir vergessen und wir verlieren aber auch nicht unsere Stärke, wir geben auch nicht unseren Kampf gegen diese Ungerechtigkeiten und diese Gewalt auf – und fordern daher:
- die lebende Rückkehr der 43 verschleppten Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa/Mexiko
- die restlose Aufklärung dieses Staatsverbrechens sowie eine Bestrafung der Täter_innen und Urheber_innen
- den Rücktritt der mexikanischen Regierung und des mexikanischen Präsidenten, die dieses Verbrechen decken und die Opfer und ihre Angehörige verhöhnen
- keine weitere Komplizenschaft und Zusammenarbeit zwischen den europäischen Regierungen und der mexikanischen Regierung
- keine weiteren europäischen Waffenlieferungen an die mexikanische Armee und Polizei
- Unterstützung der Opfer sowie der mexikanischen Bevölkerung, die sich gegen die Gewalt wehrt

Aus diesem Anderen Europa, dem Europa von Links und Unten schicken wir den 43 verschleppten Compañeros und den 6 während des Angriffs am 26.9.2014 Ermordeten, ihren Eltern, Angehörige und Mitstudenten aus Ayotzinapa eine solidarische Umarmung!

Der Kampf geht weiter!

Acción Social Sindical Internacionalista (ASSI), Zaragoza, Spanien
Adhesiva, Barcelona, Katalonien
ALBA Arbeitsgruppe Lateinamerika, Basel, Schweiz
ALBA Suiza, Bern, Schweiz
¡Alerta!, Düsseldorf, Deutschland
Aroma Zapatista, Hamburg, Deutschland
Asamblea Ayotzinapa Catalunya, Katalonien
Association Latir por México, Paris-Créteil, Frankreich
Associazione Jambo, Fairer Handel, Fidenza, Italien
Associazione Tatawelo APS, Turin, Italien
Associazione Ya Basta!, Mailand, Italien
Associu Sulidarità-Sezzione in Pariggi, Korsika, Frankreich
Bevissthet México-Norge, Oslo, Norwegen
Café Libertad Kollektiv eG, Hamburg, Deutschland
CafeZ, Liege, Belgien
Chiapasgruppa – LAG, Norwegen
Colectivo Acción Solidaria con México, Österreich
Colectivo ciudadano Belgicanos, Belgien
Colectivo de Ayotzinapa, Toulouse, Frankreich
Colectivo Solidarité pour le Mexique, Straßburg, Frankreich
Collectif Marseille-Ayotzinapa, Marseille, Frankreich
Collectivo Zapatista de Lugano, Lugano, Schweiz
Comisión EuroCaravana43 de Ayotzinapa, Mexiko
Comitato Chiapas „Maribel“, Bergamo, Italien
Comite por la Solidaridad International Suecia. Stockholm, Schweden
Conciencia Mexico-Dinamarca, Kopenhagen, Dänemark
Confederación General del Trabajo (CGT), Spanien
Corsica Internaziunalista, Korsika, Frankreich
Coordination de collectifs Paris pour Ayotzinapa (Confédération National du Travail / Comité de solidarité avec peuples du Chiapas en lutte / Comité de solidarité avec les Indiens des Amériques / Collectif Paris-Ayotzinapa / Terre et Liberté pour Arauco), Paris, Frankreich
Des habitant-e-s de la ZAD de Notre Dame des Landes, Notre Dame des Landes, Frankreich
Fédération SUD éducation, Frankreich
Fiesta Zapatista-Gruppe, Marburg, Deutschland
Gruppe B.A.S.T.A., Münster, Deutschland
La Casa Nicaragua, Liege, Belgien
La Pirata, Italien
Informationsbüro Nicaragua, Wuppertal, Deutschland
Kollektiv Por Ayotzinapa, Hamburg, Deutschland
Kurdistan Solidaritätskomitee Bremen, Deutschland
Menschenrechte Mexiko, Köln, Deutschland
Mexiko-Gruppe im Welthaus Bielefeld, Bielefeld, Deutschland
Mexiko Initiative Köln/Bonn, Köln und Bonn, Deutschland
México vía Berlín e.V., Berlín, Deutschland
MexSuiPaz – Mexicanos en Suiza por la Paz, Schweiz
Mut Vitz 13, Marsella, Frankreich
Nodo solidale, Italien und Mexiko
Nomads, Italien und Deutschland
Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit, München, Deutschland
Partner Südmexikos e.V., Böblingen, Deutschland
Pensaré Cartoneras, colectivo editorial, Valencia, Spanien
Red de Ciudadanos „Afines por México“, Niederlande
Red-Latinoamericana de Zürich (RLZ), Zürich, Schweiz
Resistencias Enlazando Dignidad-Movimiento y Corazón Zapatista, Mexiko-Stadt, Mexiko
Solidaridad con Ayotzinapa-Suecia, Göteborg, Schweden
Solidaridad Directa con Chiapas, Zürich, Schweiz
Teje, Lyon, Frankreich
Tlachinollan Centro de Derechos Humanos de La Montaña, Guerrero, Mexiko
Union Mexicana Suiza (UMES), Zürich, Schweiz
Union syndicale Solidaires, Frankreich
Vereinigung Schweiz-Cuba (VSC), Schweiz
YoSoy 132 Lyon, Frankreich
Zwischenzeit e.V., Münster, Deutschland

Santiago Arcos, Santiago de Chile
Alberto Coria J., Culicán, Mexiko
Dr. Patrick Cuninghame, Mexiko-Stadt, Mexiko
Gilberto Rescher, Hamburg, Deutschland


Solidaritätskundgebung in Düsseldorf, 26.9.2015