Neuer Vorschlag der Zapatistas und des CNI sorgt für Aufsehen

Die Zapatistas (EZLN) und der Congreso Nacional Indigena (CNI), das mexikoweite Netzwerk widerständiger indigener Gemeinden und Organisationen, die Selbstverwaltung praktizieren, hat in Mexiko und weltweit mit einem neuen Vorschlag für Aufsehen gesorgt: Sie diskutieren und entscheiden gerade intern, ob sie 2018 gemeinsam eine indigene Frau als unabhängige Kandidatin zur Präsidentschaftswahl in Mexiko aufstellen wollen. Der komplette Vorschlag sieht vor, dass jede der im CNI organisierten Organisationen und Gemeinschaften eine Frau und einen Mann als Deligierte für einen sogenannten Indigenen Regierungsrat bestimmt, dieser soll dauerhaft arbeiten und aus seiner Mitte eine Sprecherin wählen. Diese wird neben ihrer Rolle als Sprecherin auch als Präsidentschaftskandidatin aufgestellt.

Der Vorschlag wird gerade intern in allen zapatistischen Gemeinden sowie allen im CNI organisierten Gemeinden und Organisationen in Vollversammlungen diskutiert und abgestimmt. Ende Dezember/Anfang Januar sollen die Ergebnisse dieses basisdemokratischen Entscheidungsprozesses dann von Delegierten auf dem nächsten Kongress des CNI zusammengetragen werden. Erst dann ist klar, ob und wie genau, dieser Vorschlag umgesetzt wird.

Hier findet ihr das Comunicado der EZLN und des CNI zu ihrem Vorschlag auf Spanisch und Deutsch. Darin erklären sie einerseits, dieser Vorschlag sei aus der Situation geboren, dass die Gemeinden immer stärkeren Angriffen, Zerstörung und Raub ausgesetzt seien. Andererseits sagen sie unmissverständlich, „dass unser Kampf kein Kampf um die Macht ist, diese suchen wir nicht; sondern wir werden die ursprüngliche Bevölkerung und die Zivilgesellschaft aufrufen, sich zu organisieren, um diese Zerstörung zu stoppen, uns gegenseitig zu stärken in unseren Widerständen und Rebellionen, das heißt, in Verteidigung des Lebens jeder Person, jeder Familie, jeden Kollektivs, jeder Gemeinde oder jeden Stadtteils. Frieden und Gerechtigkeit aufzubauen, indem wir wieder ein Gewebe spinnen – von unten her – woher wir sind, was wir sind.“

Dieser Vorschlag hat in Mexiko und in anderen Ländern eine Menge rassistischer, eurozentristischer und besserwisserischer Kommentare von linken wie bürgerlichen Medien, Parteien, Organisationen sowie Einzelpersonen hervorgerufen – auf diese haben die Zapatistas nun mit einem Comunicado, adressiert „an die Rassist_innen“, reagiert (auf Spanisch und Deutsch).

Weitere gute Artikel zum Thema findet ihr unter anderem hier:
- El EZLN, el CNI y las elecciones / EZLN, CNI und die Wahlen (deutsche Übersetzung)
- Zapatistas and Indigenous Congress Seek to Revolutionize Mexico’s 2018 Election
- Die Kunst der anderen Politik
- Zapatisten und Indigener Kongress wollen an Präsidentschaftswahl in Mexiko teilnehmen
- La candidatura presidencial del zapatismo