Sammel-Aktion: Smartphones und Kameras für unsere Compas von COPINH/Honduras

Wir rufen dazu auf, funktionierende Smartphones oder andere Handys und digitale Kameras, die die Möglichkeit haben, Fotos und Videos zu machen, sowie Zubehör (Speicherkarten, Ladegeräte, USB-Anschlüsse) für unsere Compas von COPINH/Honduras zu spenden. Die Smartphones und Kameras sollen in den Gemeinden, die in COPINH organisiert sind, dazu dienen, dass lokale Medienteams Berichte über die Anliegen der Gemeinde zu erstellen sowie Angriffe gegen die Gemeinde oder Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.

Die Smartphones und Kameras können zu unserer Veranstaltung am 7.12. mitgebracht werden bzw. vorher bei ¡Alerta! abgegeben werden (meldet euch dazu bei alerta@posteo.de).

Über COPINH und die Idee hinter den Medienteams sprachen wir mit Momo, Medienaktivistin, die 2016 die Arbeit von COPINH begleitete und 2017 erneut in Honduras mit COPINH zusammenarbeiten wird.

Was ist COPINH?
COPINH ist der „Zivile Rat der indigenen und Basisorganisationen Honduras“, in dem 200 Gemeinden der indigenen Lenca organisiert sind. Seit 23 Jahren kämpfen sie gegen die neoliberale Ausbeutung ihres Landes beispielsweise durch Bergbau- und Wasserkraftprojekte und verteidigen ihre Gemeingüter wie Wälder und Flüsse. Sie setzen sich für ihre Rechte und insbesondere die Rechte der Frauen ein und bauen Alternativen auf, um ihre Autonomie zu stärken, wobei die Rückbesinnung und das Wiederbeleben der eigenen indigenen Weltanschauung eine wichtige Rolle spielen. Über COPINH gibt es auch eine Doku, die ihr auf Youtube sehen könnt.

Und nun sammelt ihr Smartphones für die Gemeinden, warum?
Um die Kämpfe der Gemeinden breiter bekannt zu machen und somit die Widerstände zu stärken, sind eigene Medien wichtig. COPINH hat bereits 5 „radios comunitarios“ aufgebaut und weitere sind in Planung. Diese Gemeinschaftsradios sind komplett selbst organisiert und finanziert. Sie spielen eine wichtige Rolle, um die Menschen zu informieren und zu mobilisieren. Die Smartphones haben den Vorteil, dass sie vielseitig eingesetzt werden können, beispielsweise im Radio zum Einspielen von Musik und Beiträgen aber auch bei der Foto- und Videodokumentation.
COPINH hat selbst über die Jahre gemeinsam mit solidarischen Organisationen immer wieder Weiterbildungen im Bereich freie Kommunikationsmedien realisiert. Bisher lag der Fokus auf den Radios, da durch sie viele Menschen erreicht werden. Ich werde 2017 wieder in Honduras sein und in den Gemeinden praktische Workshops zur Foto- und Videodokumentation geben. Die Idee ist, dass es in möglichst vielen Gemeinden ein Medienteam gibt, die das Equipment und die Kenntnisse haben, um aus ihrer Sicht heraus zu dokumentieren. Und genau dafür brauchen wir die Spenden.

Was werden die Leute denn voraussichtlich mit den Handys und Kameras dokumentieren?
Honduras ist das gefährlichste Land auf der Welt für Menschenrechtsverteidiger_innen. Es ist geprägt von hoher Korruption, Straflosigkeit, einer rasant ansteigenden Militarisierung und einem Ausverkauf des Landes. Die Regierung setzt die Interessen von nationalen und transnationalen Firmen entgegen den Bedürfnissen der eigenen Bevölkerung durch – und zwar mit Gewalt. Es geht also um die Dokumentation der Verletzung der Rechte der Menschen, aber auch die Dokumentation der Übergriffe durch Polizei, Militär und gewalttätige Befürworter_innen der Projekte. Das ist nicht nur wichtig, um der verfälschten Darstellung in den Medien etwas entgegen zusetzen, sondern kann auch bei juristischen Prozessen hilfreich sein.

Was bedeutet der Ausverkauf des Landes konkret?
Von der aktuellen Regierung wurden in nur einer Nacht mehr als 300 Wasserkraftprojekte, 150 Bergbaukonzessionen und mehr als 40 Windkraftprojekte genehmigt. Somit steht 35% der Fläche von Honduras unter Konzessionen und 50% davon befinden sich auf Territorium der indigenen Lenca. Die Konzerne und die Regierung ignorieren das Recht der lokalen Bevölkerung auf eine vorherige, freie und informative Befragung, arbeiten gezielt mit Lügen und versuchen Behörden und Bewohner_innen zu bestechen. Und wenn sich die Gemeinden gegen diesen sogenannten “Fortschritt” aussprechen, werden die Gemeindemitglieder bedroht, verhaftet, kriminalisiert oder ermordet, wobei die Regierung zur Umsetzung ihrer Interessen Polizei und Militär einsetzt.

So etwa bei dem Mord an unserer Compañera Berta Cáceres im März 2016.

Ja. Berta war Mitbegründerin und Generalkoordinatorin von COPINH. Durch ihren energischen Kampf stand sie den Interessen von Regierung und Firmen im Weg. Für ihren Einsatz bei der Verteidigung des Flusses Gualcarque gegen ein von der Firma DESA gebautes Wasserkraftprojekt wurde sie weltweit bekannt und geehrt. Mit Berta sind es bereits 5 Menschen, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben. Bei ihrem Mord wurde die Verstrickung der Firma DESA, des Militärs und der Regierung in den Auftragsmord bekannt, weil es zufällig einen Zeugen gab, der den Anschlag überlebt hatte.
Die Gemeinden von COPINH kämpfen weiter für ihre Rechte und die Dokumentation von Unrecht ist dabei ein wichtiges hilfreiches Mittel. Deswegen die Sammelaktion. Danke für eure Unterstützung!