Provinz Tucumán, Argentinien: Verurteilung der Einschüchterungen gegen Dr. Laura Figueroa und andere Kämpfer_innen für die Menschenrechte

In Argentinien nehmen die Angriffe auf die juristische, politische und historische Aufarbeitung des staatlichen Massenmordes vor und während der Militärdiktatur zu. Diese Angriffe werden durch die aktuelle rechts-neoliberale Regierung unter Mauricio Macri gestützt und befördert und zeigen sich neben der Streichung von Geldern und der Schließung von Institutionen, die diesen Massenmord aufklären und die Opfer betreuen, auch in direkten Attacken auf die Menschen, die diese Aufarbeitung vorantreiben.

Angesichts dessen übersetzen und veröffentlichen wir die Erklärung eines breiten Bündnisses aus Organisationen aus der Provinz Tucumán. Diese Erklärung wurde herausgegeben nachdem mehrere Menschenrechtverteidiger_innen in der Provinz angegriffen wurden – darunter auch die bekannte Anwältin Laura Figueroa.

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Als unterzeichnende Organisationen verurteilen wir den Angriff, dessen Opfer Dr. Laura Figueroa wurde, langjährige Anwältin für die Menschenrechte, Klägerin in Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen des staatlichen Massenmordes in Tucumán1.

Am Nachmittag des 13. des laufenden Monats brach eine Gruppe von sechs Männern die Tür ihres Hauses auf und verwüsteten das gesamte Haus ohne etwas zu stehlen. Dies ereignete sich, während Laura Figueroa aus Belén (Provinz Catamarca) zurückkehrte, nachdem sie dort an einer Gedenkfeier an den verschleppten Aktivisten Juan Carreras teilgenommen hatte, dessen Leiche im Massengrab Pozo de Vargas2 identifiziert wurde und dessen Familie von Laura Figueroa vor Gericht als Klägerin vertreten wird. Auf der Rückreise, wurde sie von zwei Fahrzeugen verfolgt.

Auch die Menschenrechtsaktivist_innen Teresa Sosa, Manuel Yapura und Juan Roldán wurden auf ihrem Rückweg von einer anderen Gedenkfeier in Capilla del Rosario (Catamarca) eingeschüchtert als ein Transporter mehrmals versuchte, sie von der Straße zu drängen.

Die Verbindung zwischen diesen Taten wird durch die gleiche Vorgehensweise deutlich, die auch im Haus von Gladys Lois angewendet wurde, die als Opfer Zeugin im Prozess gegen die Verantwortlichen des staatlichen Massenmordes in der Provinz Santiago del Estero ist.

Wir klagen an, dass diese Angriffe durch eine Rechte verübt werden, die durch die Erklärung von Macri3 ermutigt wird – Erklärungen, die den Staatsterror rechtfertigen, die Vorstellung eines “Schmutzigen Krieges”4 wiederbeleben, die die historische Wahrheit unserer 30.000 Verschleppten leugnen und zusammen mit der Provinzregierung deckten, dass bei den Feierlichkeiten zur 200jährigen Unabhängigkeit5 Massenmörder des Kommandos Independencia ungestört an der Parade teilnehmen konnten.

Daher fordern wir von der Provinz- und Staatsregierung die sofortige Aufklärung der Angriffe, und wir machen sie für die Sicherheit und die körperliche Unversehrtheit der Anwältin Laura Figueroa sowie der Menschenrechtsaktivist_innen und der Zeug_innen in Fällen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich.

Wir laden alle Organisationen und die gesamte Bevölkerung zur Teilnahme an der Demonstration am 18.8. um 18 Uhr vom Bundesgerichtsgebäude zum Plaza Independencia und eine Unterstützungskampagne auf Provinz- und nationaler Ebene durchzuführen.

Gegen die Straflosigkeit!
Lebenslange und tatsächliche Haft für alle staatlichen Massenmörder_innen und ihre Kompliz_innen!

Es unterzeichnen:

Asociación Madres de Plaza de Mayo filial Tucumán
Asociación Madres de Plaza de Mayo línea fundadora Tucumán
Fundación Memorias e Identidades del Tucumán
FADETUC
CeProDH
APDH
HIJOS
Liga Argentina por los Derechos del Hombre
Familiares de Detenidos Desaparecidos de El Empalme, Ranchillos
ANDHES
HIJOS del Interior de Tucumán
Agrupación de Ex Presos Políticos de Tucumán Héroes de Trelew
Asociación de Ex Presos Políticos de Tucumán
Liberpueblo
CTA Autónoma Tucumán
Secretaria de Derechos Humanos CTA Autónoma Tucumán
CTA de los Trabajadores – Tucumán
Secretaría de Derechos Humanos de la CTA de los Trabajadores – Tucumán
ADIUNT
Jubilados de la Plaza
La CTEP
Sitraju – Regional 11
Secretaria de Derechos Humanos Centro Estudiantes Fac. Medicina UNT
Mabel Carrizo Diputada nacional
Marcelo Santillán Diputado nacional
Vilma Ripoll mc Diputada Ciudad de Bs. As.
Alejandro Bodar  mc Diputado Ciudad de Bs. As.
PTS Partido de los Trabajadores Socialistas en el Frente de Izquierda
Partido Comunista Movimiento Territorial Liberación
Partido Obrero en el Frente de Izquierda
La Martín Fierro Tucumán
MST Movimiento Socialista de los Trabajadores
Juventud Socialista
Juntas y a la Izquierda
Partido Comunista Revolucionario
Juventud Comunista Revolucionaria
CCC
PC Corriente política de izquierda
Pueblo Unido
Frente Popular Darío Santillán Corriente Nacional
Asociación Mártir o Libre Bernardo de Monteagudo
Agrupación Peronismo Auténtico
JP Evita
Resistiendo con Aguante
Resistiendo con Aguante – Yerba Buena
FAG Fundación Amable Díaz con la Gente
La Rodolfo
Comité por la Libertad de Milagros Salas – Tucumán
Agrupación “La 49”
UniversiKa
Nuevo Encuentro
Tendedero literario
Comisión por la memoria de Rio Seco
Comisión de Derechos Humanos Tafí Viejo
La Cámpora
Asamblea de la Plaza por el agua y la vida
APA!
En Rebeldía
LIGIAAT
Familiares de desaparecidos
Mirta Alejandra Ferreyra, Emperatriz Márquez, Elvio Herrera
Lucía Aguilar

Aus der Provinz Catamarca:
Oscar Pfeiffer – diputado provincial
Verónica Mercado Jaimes – diputada nacional
Raúl Brizuela y Omar Miranda del “Movimiento Octubres”
Gustavo Fernández y Jorge Juárez
Organización Tupac Amaru, regional Catamarca.
Organización de DDHH “Casa de la Memoria Catamarca”
Norma Toledo, Carlos María Bazán, militantes de ddhh
La Obra, Asociación de ex pp, familiares de DD y amigos – Catamarca
Adriana Díaz de Asociación Civil “Tramas – Catamarca”

Aus der Provinz Jujuy:
Madres y familiares de detenidos desaparecidos de Jujuy

Aus der Provinz Santiago del Estero:
Trabajadores despedidos de la Secretaria de Agricultura

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  1. Die Verfolgung und Ermordung linker politischer Aktivist_innen und Organisationen in der Provinz Tucumán begann im Jahr 1975 als die argentinische Präsidentin Isabel Perón das Militär in der Provinz einsetze – vorgeblich um gegen die Guerilla Ejército Revolucionario del Pueblo, ERP, (auf Deutsch: Revolutionäre Armee der Bevölkerung) vorzugehen. Mehr als 1.000 Aktivist_innen wurden in dieser Zeit verschleppt, ermordet und in Massengräbern verscharrt. Mit dem Militärputsch 1976 und der anschließenden Diktatur verschlimmerte sich dieser staatliche Massenmord in der Provinz weiter. Hauptverantwortlicher dafür war der von Perón zu diesem Zweck nach Tucumán geschickte General Antonio Domingo Bussi, der nach dem Putsch Provinz-Gouverneur wurde. (Anmerkung der Übersetzung) [zurück]
  2. Im Pozo de Vargas, einem Wasserspeicher in der Provinz Tucumán, wurden während des Massenmordes seit 1975 durch den argentinischen Staat Leichen von verschleppten und gefolterten Aktivist_innen geworfen und mit Beton übergossen. Bisher konnten 72 Leichen identifiziert werden, es werden dort bis zu 200 Leichen vermutet. (Anmerkung der Übersetzung) [zurück]
  3. Der rechts-neoliberale Mauricio Macri ist seit Dezember 2015 argentinischer Präsident. In mehreren Aussagen hat er in den letzten Monaten den Staatsterror und Massenmord vor und während der argentinischen Militärdiktatur relativiert und geleugnet. (Anmerkung der Übersetzung) [zurück]
  4. Die argentinische Rechte und die Täter sprechen in der Zeit der Militärdiktatur von einem „schmutzigen Krieg“, der zwischen der argentinischen Armee und linker Guerilla-Armeen ausgetragen wurde – damit wollen sie den durch den argentinischen Staat verübten Massenmord relativeren und entschuldigen. Allerdings handelt es sich nicht um einen Krieg zweier Armeen, sondern um die brutale und planmäßige staatliche Unterdrückung und Verfolgung gewerkschaftlicher, studentischer, intellektueller Bewegungen, während der der argentinische Staat zehntausende Aktivist_innen verschleppte, in geheime Konzentrationslager sperrte, folterte und ermordete. (Anmerkung der Übersetzung) [zurück]
  5. In der Parade zur 200jährigen Unabhängigkeit Argentiniens im Jahr 2016 nahmen auch Täter des Massenmordes teil. (Anmerkung der Übersetzung) [zurück]

Original: http://asambleadelaplaza.blogspot.de/2016/08/repudio-la-intimidacion-y-el.html
Übersetzung: ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf