Archiv für August 2016

1.10. – Widerstand gegen das Vergessen: Ayotzinapa nach zwei Jahren der Straflosigkeit (Doku + Aktion)

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Samstag, 1.10.2016, 16:30 Uhr, Dokumentarfilm Mirar Morir («Sterben sehen») (Spanisch mit englischen Untertiteln) und Aktion für die 43 seit 2 Jahren verschleppten Studenten aus Ayotzinapa, Mexiko.
Metropol – Düsseldorfer Filmkunstkino, Brunnernstr. 20, Düsseldorf
Eintritt: 8 € normal / 6 € mit Gilde-Pass (Tickets an der Kinokasse)

In Iguala, Bundesstaat Guerrero, Mexiko, wurden in der Nacht vom 26. zu 27. September 2014 mehr als 180 Personen direkte Opfer von Menschenrechtsverletzungen: Sechs wurden ermordet, 40 verletzt und 43 Lehramtstudenten der ländlichen Lehramtsschule „Isidro Burgos“ in Ayotzinapa wurden verschlaeppt und gelten seitdem als vermisst. Die Angriffe wurden unter anderem von der kommunalen Polizei, der Polizei des Bundeslandes und der Bundespolizei unter Beobachtung der mexikanischen Armee durchgeführt.

Eine unabhängige Expert_innen-Gruppe der Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (kurz GIEI) untersuchte den Fall ein Jahr lang. Dabei widerlegt sie die Version des mexikanischen Staates und wies auf gravierende Unregelmäßigkeiten der Untersuchungsarbeit durch die mexikanische Behörden hin – etwa Folter und Fehler bei der Spurensicherung. Der mexikanische Staat verhindert also die Klärung des Falls und die Bestrafung der Täter_innen. Das Schicksal der verschleppten Studenten bleibt weiter ungewiss.

Der Dokumentarfilm „Mirar Morir“ („Sterben Sehen“) von Temoris und Coizta Grecko behandelt die Rolle des mexikanischen Militärs in der Geschichte der 43 Verschleppten. Der Film widerlegt die offizielle, staatliche Version, die den Fall „Ayotzinapa“ zu einem rein lokalen Problem machen will. Dazu behaupten Regierung und Staatsanwaltschaft, die massive Anwesenheit von Bundespolizei und Militär rund um den Tatort sei rein zufällig gewesen. Der Film zeigt stattdessen, dass es sich um ein Verbrechen handelt, an dem alle Ebenen der Polizei und des Militärs aktiv beteiligt war. Mit ihrem Film haben Temoris und Coizta Grecko eine beeindruckende journalistische Arbeit vollbracht – und nicht zu Letzt auch eine sehr mutige, denn Mexiko gilt weltweit als eines der gefährlichsten Länder für kritische Journalist_innen.

Aus Anlass des 2. Jahrestages der Angriffe und der Verschleppungen von Iguala wollen wir die Erinnerung an unsere 43 Companeros aus Ayotzinapa lebendig halten, da wir wissen, dass das kollektive Gedächtnis eine entscheidende Rolle bei der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung spielt. Wir beteiligen uns daher mit der Filmvorführung und einer Aktion an den weltweiten Aktionen.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, den Düsseldorfer Filmkunstkinos und dem Informationsbüro Nicaragua im Rahmen der 32. Düsseldorfer Eine-Welt-Tage

14.9. – Eine andere Welt ist möglich! (Vortrag + Diskussion)

Welche Impulse aus dem mexikanischen Chiapas erreichen die globale Welt?

Mittwoch, 14.9.2016, 18-21 Uhr, Vortrag und Diskussion mit Dorit Siemers (Aroma Zapatista, Hamburg) und Luz Kerkeling (Gruppe B.A.S.T.A., Münster)
Wilhelm-Marx-Haus, Kasernenstr. 6 (Eingang FFT /1. Et. AWO), Düsseldorf

Chiapas, im Frühjahr 2016: Im Interview richtete ein Journalist folgende Frage an die Zapatistas: „Was ist euer Erfolg nach 22 Jahren Widerstand?“ darauf ihre Antwort: „Die Rückgabe von tausenden Hektar Land, das zuvor als Weideland von den Großgrundbesitzern genutzt wurde. Es ernährt heute Familien der zapatistischen autonomen Gemeinden, das ist unser Erfolg!“

Der spektakuläre Aufstand zehntausender indigener Kleinbäuer_innen am 1. Januar 1994 in Chiapas – auf den sich der Journalist bezieht –, begann mit dem Ruf, „Ya Basta! (Es reicht!) – das Land ist keine Ware!“ Die Aufständischen nennen sich „Zapatistas“ – nach dem Freiheitskämpfer Emiliano Zapata, der 1910 mit seinen kleinbäuerlich-indigenen Guerilla-Truppen maßgeblich am Sturz des Diktators Porfirio Diaz beteiligt war. Die Rebellion der heutigen Zapatistas markiert die historische Zäsur einer im 15. Jahrhundert beginnenden Conquista (dt.: Eroberung) Mexikos, welche die indigenen Lebensweisen und Kosmovisionen fast vollständig auslöschte. Die Folgen sind bis heute eine massive Ressourcenplünderung, eine dramatische Umwelt-Zerstörung zumeist indigener Lebensräume, soziale Not, irreparable Schäden durch Klimawandel und schwerwiegende Wirtschaftskrisen.

Die Veranstaltung thematisiert die einzigartige, facettenreiche Bewegung der Zapatistas als maßgebliche Inspirationsquelle für Globalisierungskritiker_innen weltweit. Ihr Aufstand mit der erfolgreichen Rückübertragung von über 250.000 Hektar Land hatte befreiende Wirkung für den indigenen Neubeginn der zapatistischen Gemeinden in Chiapas.

Die Filmemacherin und Kollektivistin Dorit Siemers (Aroma Zapatista, Hamburg) und der Soziologe und Journalist Luz Kerkeling (Gruppe B.A.S.T.A., Münster) besuchten wiederholt die indigenen zapatistischen Gemeinden, zuletzt im Februar/März 2016. Sie führten Interviews und machten Film- und Fotoaufnahmen in den zapatistischen Gemeinden. Sie erhielten Lektionen in der Logik des Teilens und Umverteilens, der Selbstbestimmung in Verantwortung für das Kollektiv, erfuhren von Kooperativen, Bildungsinitiativen, Praktiken nachhaltiger Entwicklung, sozialen und emanzipatorischen Kämpfe, Unterdrückung, Spaltungsversuchen von außen, vielschichtiger institutioneller Gewalt sowie von gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Sie erlebten jedoch auch die integrierende Wirkung der Zapatistas, ihre Ausstrahlung und Vermittlungskraft. Aus der Fülle der erworbenen Eindrücke werden sie berichten.

Bei einer Tasse frischen zapatistischen Kaffees als kleine Stärkung möchten wir diskutieren.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf und Pax Christi / Kom. Solidarität Eine Welt im Rahmen der „Düsseldorfer Eine Welt Tage“ – gefördert vom Eine-Welt-Beirat der Landeshauptstadt Düsseldorf

9.8. bis 2.9. – Ausstellung der Arbeiten des Künstlerinnenkollektives „Mujeres Grabando Resistencias“ (MUGRE) aus Mexiko-Stadt

9.8. bis 2.9.2016
Butze Kneipenkollektiv, Weißenburgstr. 18, Düsseldorf

In der Ausstellung zeigen wir über 30 Drucke und Grafiken des Künstlerinnenkollektives „Mujeres Grabando Resistencias“ (MUGRE, deutsch: Frauen schnitzen Widerstände) aus Mexiko-Stadt.

MUGRE ist ein Linolschnitt- und Grafik-Kollektiv von 21 Frauen, die durch die Produktion von Bildmaterialien auf heteropatriarchale und rassistische Strukturen aufmerksam machen. „Wir wollen unsere eigenen Kämpfe und Proteste sowie die anderer Frauen darstellen, die gegen die Unterdrückung durch den Kapitalismus und das Patriarchat kämpfen.“

Wir zeigen Bilder von 2 Grafikkampagnen:
Einerseits von #VivasNosQueremos (#WirWollenUnsLebend) von 2014 richtet sich gegen Frauenmorde und sexistische Gewalt und fordert ein Recht auf feministische Selbstverteidigung.
Andererseits von “Die Autonomie ist das Leben, die Unterwerfung ist der Tod“, die eine Anklage sein soll, „um den Widerstands- und Kampfgeist zu beleben und die Denkweise und Erfahrungen der Gemeinden zu unterstützen, die Alternativen aufzeigen, die durch gegenseitiges Zuhören und Austausch entstehen.“ Die Drucke beschäftigen sich sowohl mit den Gemeinden im Widerstand, die es geschafft haben alternative Formen des Zusammenlebens und der Organisierung gegen den Kapitalismus aufzubauen, als auch mit städtischen sozialen Protestbewegungen, die kriminalisiert und unterdrückt werden.

Die Drucke und Grafiken sind im Hinterraum des Kneipenkollektives Butze während der Öffnungszeiten (normalerweise dienstags bis samstags ab 17:30 Uhr), zu sehen.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, Butze Kneipenkollektiv, und des Referats für Interkulturelles des AStA der Hochschule Düsseldorf