Du bleibst bei uns…

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An Berta,

Düsseldorf, Deutschland, 8.3.2016
Internationaler Tag des feministischen Kampfes

Voll Schmerz und Wut erhielten wir die Nachricht der schrecklichen Ereignissen vom 2. März in La Esperanza, Honduras. Im Morgengrauen haben sich die dunklen Mächte der Eliten und transnationalen Konzerne ihrer schmutzigen Machenschaften bedient, um diejenigen aus dem Weg zu räumen, die gegen ihre tödlichen Projekte Widerstand leisten. Dort, wo die neoliberale Eroberung wütet, ist das Leben zerbrechlich und schnell vergänglich – insbesondere für Leute wie dich, Berta, die sich für die Rechte der einfachen Bevölkerung und der Frauen einsetzen und das Fundament des neuen Kolonialismus angreifen. Jenes neuen Kolonialismus, der mit seinen vielfältigen Erscheinungsformen das Leben zerstört: der Ausbeutung, dem Rassismus, der Plünderung und dem Mord.

Ihre Absicht war, uns dein Leben zu rauben, dein so wertvolles Leben, Berta. Sie haben uns damit große Schmerzen zugefügt, aber statt lähmende Angst zu verbreiten, haben sie die Empörung und den Ruf nach Gerechtigkeit vergrößert.

Sie haben nicht gesiegt, Berta, du hast gesiegt! Mit deinem unermüdlichen Kampf für die Flüsse, für die Mutter Erde, für die Indigenen, für die Frauen – mit deiner Überzeugung für das Leben hast du die ganze Menschheit bereichert.

Kann man jemanden töten, der gelebt hat, um das Leben zu verteidigen?

Man kann den Körper töten aber nicht die Würde, die Wahrheit, die Freiheit und die Hoffnung, denn sie sind unsterblich, ebenso wie deine unzerbrechliche Kraft, die das Körperliche übersteigt.

Wir haben Dich nicht verloren. Du bleibst bei uns.

Du lebst weiter im Fluss Gualcarque und seinen Tälern, die du standhaft verteidigt hast. Du lebst weiter im fruchtbaren Boden des angestammten Gebietes der Lenca, wo du Tag für Tag auflebst in Natur, die du liebtest. Du lebst weiter im Lächeln der Kinder, die in den Flüssen spielen und sich erfrischen – jenen Flüssen, die überall und immer das Leben der Menschen sicherstellen. Du lebst in unseren Herzen weiter, in denen wir dich 2012 bei deinem Besuch bei uns in Düsseldorf aufgenommen haben. Du wirst weiterleben in den heutigen Kämpfen und in denen, die kommen werden. Du wirst weiterleben in den Schritten und Stimmen aller Menschen auf diesem Planeten, die sich dazu entschließen, Widerstand zu leisten und mutig den größten Feind der Natur, der Indigenen, der Menschenwürde und des Lebens anzugreifen: Den räuberischen Kapitalismus.

Danke für dein Vermächtnis, dein unnachgiebiges Engagement, deinen Mut, deine Aufrichtigkeit.

Tochter, Freundin, Genossin, Schwester Berta. Mutter aller Flüsse!

Auf bald, hasta siempre, Compañera!

¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf