Archiv für Januar 2014

Veranstaltungsreihe: ¡Zapatistas! – 20 Jahre Aufstand, 20 Jahre erfolgreiche Revolution

Am 1. Januar 2014 jährt sich zum 20. Mal der Aufstand der Zapatistas in Chiapas/Mexiko. An Neujahr 1994 erhoben sie sich mit einem „¡Ya Basta!“ / „Es reicht!“ gegen Regierung, neoliberalen Kapitalismus, Rassismus und Ausbeutung. Seit 20 Jahren leben sie nun in ihren über 1.000 Gemeinden eine auf Gleichberechtigung, Basisdemokratie und Solidarität basierende Alternative. Ihre anhaltende und gelebte Revolution „von links und unten“ hat uns und viele andere Menschen weltweit inspiriert. Daher widmen wir ihnen eine Veranstaltungsreihe – Informiere, diskutiere und feiere mit uns!

Aus Anlass des Jubiläums haben wir die Erklärung „¡Festejamos! / Wir feiern!“ in Spanisch und Deutsch veröffentlicht.

Und wir haben einen Artikel „Eine andere Welt ist möglich!“ verfasst, der in der terz von Januar auch in Druckversion erscheinen wird.

Hier findet ihr unsere beiden Flyer für den 1. Teil und den 2. Teil der Reihe

Die Termine:

26.12. – Zapatistas – Chronik einer Rebellion / Crónica de una Rebelión (Doku) – Der Film schildert die Entwicklungen der Bewegung bis 2003: Die Erhebung im Morgengrauen des 1.1.94, die Repression des Militärs und die vielfältigen Aktionen der Zapatistas, um gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.

31.12. – Happy Birthday, Zapatistischer Aufstand! / ¡Feliz Cumpleaños, Rebelión Zapatista! (Silvesterparty) – Begrüßt mit uns das neue Jahr und feiert 20 Jahre Aufstand der Zapatistas, denen wir mit einer kleinen Aktion von Düsseldorf aus gratulieren wollen.

11.1. – Toda Música es política / Jede Musik ist Politik – Zapatismus und Musik (Vortrag) -Die Zapatistas mischten mit ihrer in­no­va­ti­ven (Me­di­en-)­Po­li­tik und ihren Ideen linke und Kul­tur-Sze­ne glei­cher­ma­ßen auf, und zwar welt­weit. Den Einfluss auf Musik und Musiker_innen zeigt die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Ga­brie­la Gor­jon aus Guad­a­la­ja­ra (Me­xi­ko) in ihrem Vortrag auf.

12.1. – ¡Otro Mundo es posible! / Eine andere Welt ist möglich! (Workshop) – Mit Filmausschnitten, Texten, Inputs und Diskussionen wollen wir uns genauer mit Denken und Praxis der Zapatistas auseinandersetzen. Dabei diskutieren wir auch, was wir daraus für unsere eigenen Kämpfe lernen können.

6.2. – Alberto Patishtán: Leben oder Sterben für Wahrheit und Gerechtigkeit / Vivir o morir por la verdad y la justicia (Doku) – Der Film erzählt die Geschichte von Alberto Patishtán, dem bekannteste politische Gefangene Mexikos, aus der Sicht von Alberto und seiner Gemeinde in Chiapas.

15.-29.3. – Zapatistas (Fotoausstellung) – Vier mexikanische Fotografen zeigen eindrucksvollen Bilder des Kampfes für Würde und Freiheit. Auch durch diese Bilder wurde der Welt deutlich, dass hier etwas neuartiges und bewundernswertes in Bewegung ist. Die Ausstellung wird von vier spannenden Veranstaltungen begleitet.

15.3. – Vernissage Fotoausstellung „Zapatistas“ und Konzert mit Josué Avalos – Zur Eröffnung der Ausstellung „Zapatistas“ spielt Josué Ava­los ei­ge­ne Songs und in­ter­pre­tiert la­tein­ame­ri­ka­ni­sche Lie­der über Pro­test und den Kampf für eine bes­se­re Welt.

22.3. – Der Aufstand der Würde (Doku) – Der Film bie­tet eine an­schau­li­che Ein­füh­rung und einen guten Über­blick über die zas­pa­tis­ti­sche Be­we­gung und zeigt die welt­wei­te Be­deu­tung ihres Kamp­fes auf.

25.3. – Indigener Kampf und staatliche Repression (Vortrag) – Tho­mas Zapf, seit vie­len Jahre für die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on SiPaz! in Ch­ia­pas aktiv, be­rich­tet an­hand ak­tu­el­ler Bei­spie­le vom Kampf indigener Ge­mein­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen aus Chiapas für ihre Rech­te – und über die staatliche Repression gegen sie.

29.3. – No morirá la flor de la palabra / Die Blume des Wortes wird nicht sterben (Lesung/Performance) – In­ter­pre­tation der poetischen politischen Erklärungen und Texte der Zapatistas in Deutsch und Spa­nisch.

3.4. – ¡Viva Zapata! (Spielfilm) – Dieser Klassiker zeigt das Leben des So­zi­al-​Re­vo­lu­tio­närs Emi­lia­no Za­pa­ta, der mit sei­ner Armee aus Klein­bau­ern einer der Hel­den der Me­xi­ka­ni­schen Re­vo­lu­ti­on (1910-​20) war und dessen Kampf für „Land und Freiheit“ bis heute fortlebt – etwa bei den Za­pa­tis­tas in Chiapas/Mexiko – mit Marlon Brando als Zapata.

24.4. – Neokolonialismus und Biopiraterie – die GIZ (Vortrag) – Mit Beispielen aus Chiapas und Lateinamerika wird der neokoloniale Charakter der von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entworfenen und umgesetzten deutschen Entwicklungspolitik aufgezeigt.

24.4. – Neokolonialismus und Biopiraterie: die GIZ – Beispiele deutscher Entwicklungspolitik aus Chiapas und Lateinamerika (Vortrag)

Donnerstag, 24. April 2014, ab 19.30 Uhr Kneipe und VoKü, ab 20 Uhr Vortrag und Diskussion
Linkes Zentrum „Hinterhof“, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

„An den deutschen Staat und seine lokalen Lakaien – Um es deutlich zu sagen: Wir werden nicht aufgeben. Das Land und die Ressourcen, für die der deutsche Staat sich interessiert, sind Gemeinschaftsland der indigenen Gemeinden und das gemeinsame Gut aller Mexikaner. […] Damen und Herren der deutschen Regierung, denkt daran, vergesst es nicht: Kämpfen gegen den Missbrauch und Betrug, gegen Ausbeutung und den Verkauf dessen, was für alle geschaffen ist, ist der Geist, der in jeder Frau und in jedem Mann steckt, die sich auf unserer Erde bewegen.“ So heißt es in einer kämpferischen Erklärung von COMPITSCCH, der Dachorganisation der traditionellen Hebammen und Heiler_innen in Chiapas, an die deutsche Regierung und die deutsche Bevölkerung vom Herbst 2011. In dieser Erklärung appellieren sie auch an die deutsche Bevölkerung sich mit ihnen solidarisch zu zeigen: „Auch bei euch liegt die politische Verantwortung, das Projekt aufzuhalten, weil es eure Regierung ist, die die Plünderung und Ausbeutung konzipierte und leitet.“

Anlass ihrer Erklärung war das Bekanntwerden eines durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit finanzierten Projekts über „Zugang und Verwertung genetischer Ressourcen“ in Chiapas/Mexiko. Die Menschen in Chiapas befürchten, dass ihre Pflanzen und ihre Natur mittels Patentierung zu Waren gemacht wird, die die (deutsche) Industrie gewinnbringend und exklusiv ausbeuten kann – sogenannte „Biopiraterie“. Dabei geht es aber auch um die Kontrolle über ihre Ländereien und um ihre Lebensweise und ihr Recht auf Selbstbestimmung. Der deutschen Regierung werfen sie in diesem Kontext eine neokoloniale Politik vor.

Seit dem Aufruf gibt es Versuche solidarischer Menschen, mehr über die Machenschaften der deutschen Entwicklungspolitik in Chiapas herauszufinden. Dies ist allerdings ausgesprochen schwer – auch deshalb, weil auf deutscher Seite die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) für das Projekt zuständig ist. Die GIZ ist ein gewinnorientiertes, privatwirtschaftliches Unternehmen, das im Auftrag des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit große Teile der deutschen Entwicklungszusammenarbeit entwirft und umsetzt.

Anhand von Beispielen aus Chiapas und Lateinamerika wird in dieser Veranstaltung aufgezeigt, was die GIZ unter Entwicklungspolitik versteht, wie sie durchgeführt wird, in wessen Auftrag und mit wessen Hilfe. Anschließend gibt es Raum für Fragen und Diskussion, bei der wir auch überlegen wollen, was wir gegen deutsche Biopiraterie und deutschen Neokolonialismus in Chiapas und anderswo tun können.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, Kneipenabend, Rosa-Luxemburg-Club Düsseldorf und Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

3.4. – ¡Viva Zapata! (Spielfilm)

Donnerstag, 3.4.2014, ab 19 Uhr Kneipe und Essen gegen Spende, ab 20.15 Uhr Einführung und Film (in deutscher Synchron-Version mit spanischen Untertiteln)
Linkes Zentrum „Hinterhof“, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

Der Film-Klassiker zeigt das Leben und die Kämpfe des Sozial-Revolutionärs Emiliano Zapata, der mit seiner Armee aus Kleinbauern einer der Helden der Mexikanischen Revolution (1910-20) wurde. Nach seiner Bewegung benannten sich die heutigen Zapatistas, die unter seiner Losung „Tierra y Libertad“ („Land und Freiheit“) diese Revolution heute weiterführen.

Der Film (mit Marlon Brando als Zapata) wird abgerundet von einer kurzen Einführung zum historischen Zapata, der mexikanischen Revolution und ihrer Bedeutung bis heute.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf und Café Bunte Bilder

29.3. – No morirá la flor de la palabra / Die Blume des Wortes wird nicht sterben (Lesung/Performance)

Lesung/Performance politischer Erklärungen der Zapatistas in Deutsch und Spanisch
Samstag, 29. März 2014, geöffnet ab 19 Uhr, ab 20 Uhr Lesung/Performance
damenundherren, Oberbilker Allee 35, Düsseldorf

Auf der Bühne: Samir Kandil und Maribel Saldaña Márquez
Regie und Text-Adaption: Maribel Saldaña Márquez

Nicht nur mit ihrem Aufstand 1994, ihrem Mut und ihrer neuen Art, Politik zu machen, überraschen und begeistern die Zapatistas viele Menschen weltweit, auch die Sprache ihrer Botschaften und Erklärungen war etwas völlig neuartiges und faszinierendes.

Aus diesen Texten sprechen rebellische Unbeugsamkeit genauso wie das Wissen und die Würde einer 500-jährigen Geschichte von Unterdrückung und indigenem Widerstand. Ihre Sprache ist ebenso klar wie lyrisch, ebenso entschlossen wie suchend, ebenso widerständig wie humorvoll – mit ihr zeigen die Zapatistas, dass Politik „von links und unten“ auch Poesie sein kann und dass eine „andere Welt“ auch eine andere Art des Sprechens erfordert.

Zum Abschluss unserer Ausstellung „Zapatistas“ interpretieren wir mit dieser Lesung/Performance einige ihrer Texte in Deutsch und Spanisch.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, damenundherren e. V. und des Re­fe­rats für Interkulturelles des AStA der FH Düs­sel­dorf.

„Es gibt ein größeres Bewusstsein und steigenden Mut, sich gegen den staatlichen Terror zu wehren“ – Vielen Dank für eure praktische Hilfe für von Repression betroffene Aktivist_innen in Mexiko!

Im Dezember 2012 haben wir zusammen mit dem Informationsbüro Nicaragua zu Spenden für das Comité Cerezo aus Mexiko aufgerufen. Außerdem haben wir im Januar 2013 im Linken Zentrum eine Party veranstaltet, um weiteres Geld zu sammeln, und das Informationsbüro hat zusätzliche Mittel aus seinem Rechtshilfefond bereitgestellt. Insgesamt sind so über 2.500 Euro für die Neuauflage des Handbuchs ¿Que Hacer en el Caso de Desaparición Forzada? (Was tun im Falle von Verschwindenlassen?) zusammengekommen, das politischen Aktivist_innen in Mexiko konkrete Hilfe gegen die staatliche Repressionspraxis des sogenannten „Verschwindenlassens“ bietet.

Hierfür an alle, die gespendet haben oder auf der Party waren und fleißig Cocktails getrunken haben, im Namen des Comité Cerezo und den anderen beteiligten Organisationen ein RIESENGROßES DANKESCHÖN für die gezeigte praktische Solidarität!

Die Menschenrechtsorganisation Comité Cerezo unterstützt politische Gefangene und hilft Aktivist_innen, die von staatlicher Repression und Gewalt betroffen sind. Außerdem gibt sie für Aktive in den sozialen Bewegungen Workshops zu Menschenrechten und zu Selbstschutzmaßnahmen. Für ihre mutige und wichtige Arbeit erhielten sie bereits zahlreiche Morddrohungen. 2012 wurden sie für ihren Einsatz mit dem Aachener Friedenspreis geehrt. Mehr Infos zu ihrer Arbeit in diesem Interview, das wir bei ihrem Besuch 2012 mit ihnen geführt haben.

Das Handbuch ¿Que Hacer en el Caso de Desaparición Forzada? (Was tun im Falle von Verschwindenlassen?) hat das Comité zusammen mit anderen Organisationen herausgegeben. Darunter sind u.a. Selbsthilfeorganisationen von Angehörigen, deren Familienmitglieder von Verschwindenlassen betroffen sind oder waren. Die ersten Fassung aus dem Jahr 2010 wurde zwei Mal in je 1.000 Exemplaren aufgelegt und war jedes Mal sehr schnell vergriffen.

Daher entstand im Sommer 2012 während des Besuches des Comité bei uns die Idee, eine aktualisierte, komplett überarbeitet und erweiterte Fassung herauszugeben. Unter anderem durch die Un­ter­stüt­zung von uns und euch konn­te letztes Jahr eine neue Auf­la­ge mit 74 Sei­ten er­stellt und 2.​000 Ex­em­pla­re ge­druckt wer­den. Diese 2. Auflage des Handbuches wurde am 30. August, dem Internationalen Gedenktag an die verschwundenen Gefangenen, in Mexiko Stadt vorgestellt. Dabei sprach auch der Vertreter des Hochkommissariats der UN in Mexiko, Jesús Peña Palacios.

Das Handbuch kann man auch als pdf-Datei im Internet anschauen – dort findet sich auch eine Dankeswidmung an alle, die die Neuauflage dieses Handbuchs unterstützt haben.


Im Sommer hat ein Genosse des Informationsbüro Nicaragua das Geld bei einem Besuch persönlich übergeben und nutzte die Gelegenheit, Antonio vom Comité ein paar Fragen zur Verwendung des Geldes zu stellen:

Wofür werdet ihr das Geld einsetzen?

Zunächst möchten wir uns für die Solidarität bedanken. Das Geld verwenden wir für die Neuauflage des Handbuchs ¿Que Hacer en el Caso de Desaparición Forzada? (Was tun im Falle von Verschwindenlassen?). Als „Verschwindenlassen“ bezeichnen wir Fälle, in denen staatliche Stellen oder Personen in deren Auftrag eine Person entführen und für eine Zeit niemand anderes etwas über deren Verbleib weiß.

Das Handbuch gibt Angehörigen des Opfers praktische Hilfestellung, was in solchen Fällen zu tun ist. Sie werden über ihre Rechte aufgeklärt, darüber welche juristischen Möglichkeiten es gibt, an welche Organisationen und staatliche Institutionen sie sich wenden können, wie sie dieses Menschenrechtsverbrechen des Staates öffentlich machen können. Es beschreibt sehr konkret Schritte und bietet sofort etwas, was sie tun können. Ziel ist es, die Verschwundenen möglichst schnell wieder auftauchen zu lassen – zumindest, dass ihre Leiche wieder auftaucht. Das ist tragischerweise manchmal das einzige, was noch erreicht werden kann.

Das Handbuch ist Teil einer nationalen Kampagne zum Kampf gegen das Verschwindenlassen, die wir vor 3 Jahren zusammen mit 40 anderen Organisationen gestartet haben, um den steigenden Fallzahlen zu begegnen. Einerseits wollen wir damit das Problem sichtbar machen, andererseits Betroffene praktisch unterstützen.

Das Phänomen des Verschwindenlassens ist ja eigentlich vor allem aus den 1970ern und 80ern bekannt. Was sind die Gründe, dass der Staat es nun wieder einsetzt?

Historisch gesehen war dieses Phänomen in Mexiko ein Mittel der Aufstandsbekämpfung und trat in Gegenden mit starken politischen Widerstandsbewegungen auf. Es wurde gegen politische Aktivist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen eingesetzt. Ab 2006, mit dem Beginn des sogenannten „Krieges gegen den Drogenhandel“, weitete sich dieses Phänomen dann stark aus: Nun kommt es überall dort vor, wo das Militär im „Krieg gegen den Drogenhandel“ eingesetzt wird. Die Zahl der Opfer steigt, und es sind neben politischen Aktivist_innen immer mehr normale Bürger_innen betroffen.

Als Mittel des staatlichen Terrors zielt Verschwindenlassen einerseits auf die Zerschlagung und Verhinderung gesellschaftlicher Organisierung ab, andererseits aber auch darauf, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zerstören, indem immer mehr normale Menschen betroffen sind. Es schürt Angst und Vereinzelung. Es macht die Gesellschaft handlungsunfähig.

Unsere These ist, dass der Staat dieses Mittel einsetzt, um die Gesellschaft zu kontrollieren und damit seine Wirtschaftspolitik gegen die Bevölkerung durchzusetzen. Mexiko wird im globalen Wirtschaftssystem, das sich in einer schweren Krise befindet, dazu genutzt, seine natürliche Ressourcen auszubeuten und billige Arbeitskräfte bereitzustellen, um Investoren hohe Gewinne zu garantieren. Mehr Land als jemals zuvor in Mexikos Geschichte ist an private Investoren vergeben worden, die dort Bergbau betreiben, Holz schlagen oder Großprojekte wie Flughäfen, Windparks oder Staudämme umsetzen wollen – all das mit schlimmen Folgen für Menschen und Natur. Gleichzeitig sind viele Arbeitsrechte abgeschafft oder aufgeweicht worden. Die Ausbeutung der Arbeiter_innen ist gestiegen. In der Krise nutzt das globale Kapital Mexiko, um die eigenen Krisenkosten gering zu halten.

Um dem Kapital so seinen Gewinn zu sichern, muss der Staat diese Ausbeutung von Menschen und Natur unter anderem mit Gewalt gegen seine Bevölkerung durchsetzen. Das ist schon seit der neoliberalen Wende in den 1980er Jahren so. Mit der Krise und der Regierung Calderon hat es seit 2006 weiter zugenommen. Diese Zunahme hat auch damit zu tun, dass sich immer mehr Menschen gegen die Zerstörung ihrer Umwelt und ihre Entrechtung wehren und sich organisieren, um ihr Land, ihre Umwelt, ihre Rechte zu verteidigen. Bei diesen Kämpfen unterstützen wir sie – auch mit unserem Handbuch.

Gab es Erfolge im Kampf gegen das Verschwindenlassen?

Wenn man auf die Zahlen schaut, dann gab es keine Erfolge. Die Zahl der Fälle ist nicht weniger geworden. Es gab auch keine Erfolge bezüglich der Strafverfolgung. Beim Verschwindenlassen gibt es fast 100% Straffreiheit. Unsere Forderung nach einem nationalen Gesetz, das Verschwindenlassen als Delikt benennt und den beteiligten Beamten mit Strafen droht, ist bisher nicht umgesetzt worden.

Aber wenn man sieht, dass in Mexiko heute mehr Menschen wissen, wie sie Fälle von Verschwindenlassen öffentlich machen, und dass dies auch immer häufiger gemacht wird – dann war unsere Arbeit ein Erfolg. Es gibt ein größeres Bewusstsein und steigenden Mut, sich gegen den staatlichen Terror zu wehren. Dies ist ein Erfolg der Organisationen, die wie wir die Angehörigen unterstützen. Dabei hilft das Handbuch.

25.3. – Indigener Kampf und staatliche Repression (Vortrag)

Der Kampf der indigenen Bevölkerung in Chiapas/Mexiko für ihre Rechte und die staatliche Antwort – ein Menschenrechtsverteidiger berichtet
Dienstag, 25. März 2014, geöffnet ab 19 Uhr, ab 20 Uhr Vortrag und Diskussion
damenundherren, Oberbilker Allee 35, Düsseldorf

Im süd-mexikanischen Bundesstaat Chiapas kämpfen eine Vielzahl von indigenen Gemeinden und Organisationen für ihre Rechte. Sie wehren sich gegen Megaprojekte, gegen die Zerstörung ihrer Umwelt, gegen ihren politischen und gesellschaftlichen Ausschluss sowie gegen Rassismus und Ausbeutung. Viele von ihnen haben daher Selbstverwaltungsstrukturen aufgebaut, um ihre vom Staat nicht sichergestellten Rechte selbst zu garantieren. Sie sehen diese Strukturen dabei auch als praktischen Widerstand gegen den Staat und kapitalistische Konzerninteressen. Die bekanntesten unter ihnen sind sicher die Zapatistas, doch es gibt in Chiapas dutzende weitere kleiner und großer Gemeinden und Organisationen, die ähnliches umsetzen.

Thomas Zapf, der seit vielen Jahre für die Menschenrechtsorganisation SiPaz! in Chiapas aktiv ist, berichtet uns heute anhand aktueller Beispiele vom Kampf dieser Gemeinden und Organisationen für ihre Rechte: Welche Zielen und Forderungen haben sie? Wie leisten sie Widerstand? Welche Interessen und Akteure stehen gegen sie? Welche repressiven Praktiken wendet der mexikanische Staat an, um sie klein zu halten? Was können wir tun, um die sie bei ihrem Kampf um gesellschaftliche Teilhabe zu unterstützen? Anschließend besteht Raum für Fragen und Diskussion.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Fotoausstellung „Zapatistas“.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, damenundherren e. V., pax christi – Solidarität Eine Welt und des Re­fe­rats für Interkulturelles des AStA der FH Düs­sel­dorf.

22.3. – Der Aufstand der Würde (Doku)

Die zapatistische Bewegung in Chiapas/Mexiko
Samstag, 22. März 2014, geöffnet ab 19 Uhr, Film ab 20 Uhr
damenundherren, Oberbilker Allee 35, Düsseldorf

Am 1. Januar 1994 erhoben sich die Zapatistas, eine Bewegung aus indigenen Kleinbäuer_innen aus Chiapas/Mexiko, mit einem „¡Ya Basta!“ / „Es reicht!“ gegen Regierung, neoliberalen Kapitalismus, Rassismus und Ausbeutung. Seit 20 Jahren leben sie nun in ihren über 1.000 Gemeinden eine auf Gleichberechtigung, Basisdemokratie und Solidarität basierende Alternative. Ihre anhaltende und gelebte Revolution „von links und unten“ hat dabei viele andere Menschen weltweit inspiriert.

Wie organisieren sich die Zapatistas? Was sind ihre Forderungen? Was sind ihre Fortschritte? Wo gibt es Probleme? Wie reagiert der Staat? Der Film bietet eine anschauliche Einführung und einen guten Überblick über die zapatistische Bewegung und zeigt die weltweite Bedeutung ihres Kampfes auf. Dabei lässt er die Zapatistas selbst zu Wort kommen.

Anschließend Möglichkeit zu Diskussion und Fragen – danach Kneipe. Eine Veranstaltung im Rahmen der Fotoausstellung „Zapatistas“.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, damenundherren e. V. und des Re­fe­rats für Interkulturelles des AStA der FH Düs­sel­dorf.

15.3. – Vernissage Fotoausstellung „Zapatistas“ und Konzert mit Josué Avalos

Samstag, 15. März 2014, geöffnet ab 19 Uhr, Konzert 20-22 Uhr
damenundherren, Oberbilker Allee 35, Düsseldorf

Heute eröffnen wir die Ausstellung „Zapatistas“ mit eindrucksvollen Bildern des Kampfes für Würde und Freiheit, dokumentiert von vier mexikanische Fotografen.

Dazu spielt Josué Avalos eigene Songs und interpretiert lateinamerikanische Lieder über Protest und den Kampf für eine bessere Welt – anschließend Kneipe.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, damenundherren e. V. und des Re­fe­rats für Interkulturelles des AStA der FH Düs­sel­dorf.

15.-29.3. – Zapatistas (Fotoausstellung)

- Vier mexikanische Fotografen zeigen eindrucksvollen Bilder des Kampfes für Würde und Freiheit -
15.-29. März 2014, geöffnet bei Veranstaltungen
damenundherren, Oberbilker Allee 35, Düsseldorf

Mit ihrem bewaffneten Aufstand am 1. Januar 1994 überraschten die Zapatistas die Öffentlichkeit in Mexiko und weltweit. Niemand hatte zu diesem Zeitpunkt mit ihnen gerechnet – doch mit einem Mal wurden die Medien aufmerksam. Die ausdrucksstarken Bilder, die die Öffentlichkeit erreichten, und die so andere politische Sprache der Zapatistas zogen viele Menschen weltweit in ihren Bann.

Die Bilder zeigten die Lage der indigenen Kleinbäuer_innen zwischen Ausbeutung, Vergessenwerden und Rassismus. Sie drückten den Mut und die Entschlossenheit der Menschen aus, und transportierten ihren Kampf für Würde und Freiheit. Durch sie wurde der Welt deutlich, dass hier etwas neuartiges und bewundernswertes in Bewegung ist.

Die Ausstellung zeigt einige dieser eindrucksvollen Bilder der vier mexikanischen Fotografen Jerónimo Arteaga-Silva (Freelancer), Raul Ortega (Freelancer), Pedro Valtierra (Leiter der Fotoagentur Cuartoscuro) und Jesús Quintanar (Tageszeitung Milenio). Begleitet werden die Bilder von Auszügen aus den Erklärungen und Erzählungen der Zapatistas.

Hier findet ihr ein Interview mit Jerónimo zur Ausstellung.

Die Ausstellung ist geöffnet während dieser spannenden Veranstaltungen unserer Zapatista-Reihe:

15.3. – Vernissage und Konzert mit Josué Avalos
22.3. – Der Aufstand der Würde - Die Doku gibt einen sehr guten Überblick zur zapatistischen Bewegung und ihrer Selbstorganisierung
25.3. – Indigener Kampf und staatliche Repression - Vortrag und Diskussion mit dem Menschenrechtsverteidiger Thomas Zapf /SiPaz!, Chiapas
29.3. – No morirá la flor de la palabra / Die Blume des Wortes wird nicht sterben - Lesung/Performance politischer Erklärungen der Zapatistas in Deutsch und Spanisch

und während dieser Veranstaltungen des damenundherren:

17.3.„Paradise Now“ (Film)
19.3.pingpongundpogo
24.3.wortstrom: we love books!
26.3.lesung: sam greb „(neue) geschichten aus der fieberwelt“

Organisiert von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, damenundherren e. V. und vom Re­fe­rats für Interkulturelles des AStA der FH Düs­sel­dorf.

Glückwunsch-Aktion an die Zapatistas aus Düsseldorf

Wir, die Gruppen und Besucher_innen des Linken Zentrums “Hinterhof” in Düsseldorf, haben den Zapatistas in Chiapas anlässlich des 20. Jahrestages ihres erfolgreichen Aufstandes am 1. Januar 1994 mit einer kleinen Aktion gratuliert.

Unten findet ihr unser Foto und die Grußbotschaft in Deutsch, die wir den Zapatistas heute geschickt haben.
Die spanische Version findet ihr hier.

***


(Foto in hoher auflösung downloaden)

Düsseldorf, 1.1.2014

Compañeros und Compañeras Zapatistas:

Herzlichen Glückwunsch zum 20. Jahrestag eures Aufstands von 1994! Wir wünschen euch eine tolle Feier und viele weitere Jahre der Rebellion und der anderen, besseren Welt, die ihr für euch aufbaut.

Wir sind Gruppen und Kollektive aus Düsseldorf, einer Stadt in Deutschland, Europa. Wir alle engagieren uns für unterschiedliche Themen, führen unterschiedliche Kämpfe und benutzen unterschiedliche Mittel – aber wir alle tun dies von links und von unten. Zusammen betreiben wir ein soziales, autonomes Zentrum – wir nennen es Linkes Zentrum „Hinterhof“ –, wo wir uns treffen und austauschen, wo wir unsere politischen Aktionen vorbereiten, Veranstaltungen machen, wo wir feiern und wo wir bei all dem versuchen – noch sehr klein –, eine andere Welt ohne Kapitalismus, Ausbeutung und Diskriminierung mit Solidarität und Gleichberechtigung auszuprobieren und umzusetzen.

Dabei und bei unseren unterschiedlichen Kämpfen und Aktivitäten war uns euer Kampf immer ein Beispiel. Eure Erfolge haben uns Mut gemacht, eure Ideen haben uns inspiriert. Dafür danken wir euch!

Weil wir uns mit euch freuen, haben wir dieses Jahr nicht nur – wie jedes Jahr – Silvester gefeiert und das neue Jahr begrüßt, sondern auch den zapatistischen Aufstand, der nun seit 20 Jahren fragend und erfolgreich vorwärts geht. Bei dieser Feier haben wir für euch als kleinen Gruß auch ein Foto gemacht. Dieses schicken wir euch angehängt an diesen Brief.

Herzliche und solidarische Grüße von euren Compañeros und Compañeras aus Düsseldorf in einer ganz anderen Ecke der Welt!

¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf
Antifaschistische Linke Düsseldorf
Becoming Queer
Brigada Hora Azul
Brunch Gruppe
Cable Street Beat
Café Bunte Bilder
Dissidenti Ultra
Don‘t Panic – Computerkneipe
Erwin Youth
Fahrradselbsthilfe
Grrrls Uprising
Gruppe F
Gruppe Hilarius
i furiosi – Interventionistische Linke
Infocafé
Input – antifaschistischer Themenabend
Kneipenabend
Kopfball!
Rechtshilfegruppe
Rote Hilfe Düsseldorf-Neuss
see red! – Interventionistische Linke Düsseldorf

Und wenn ihr mal Unterstützung braucht: Hier sind wir!

Felicitades a las y los Zapatistas desde Düsseldorf / Alemania

Nosotras y nosotros, colectivos y visitantes del centro social autónomo Linkes Zentrums “Hinterhof” de Düsseldorf, Alemania hemos felicitado a las y los zapatistas por el vigésimo aniversario de su levantamiento exitoso el 1.1.1994 con una pequeña acción.

Abajo se encuentra una foto y nuestra carta de saludos, que hoy hemos mandado a ellos y ellas.
La versión en alemán de esta carta se encuentra aquí.

***


(baja foto en alta resolución.)

Düsseldorf, 1 de enero de 2014

Compañeros y compañeras zapatistas:

¡Muchas felicidades por el vigésimo aniversario de su levantamiento en 1994! Les deseamos una gran celebración y muchos años más de rebelión y de este otro mundo mejor, que están construyendo para ustedes.

Somos un conjunto de grupos y colectivos de Düsseldorf, una ciudad en Alemania, Europa. Estamos comprometidos en diferentes temas, diferentes luchas y utilizamos diferentes medios. Pero todos y todas hacemos ésto desde abajo y a la izquierda. Juntos gestionamos un centro social autónomo – al cual llamamos Linkes Zentrum “Hinterhof” –, en donde nos reunimos e intercambiamos ideas, donde preparamos nuestras acciones, donde realizamos eventos, celebramos y sobretodo en donde intentamos – aún incipiente – poner en práctica un mundo diferente sin capitalismo, sin explotación, sin discriminación y con solidaridad e igualdad.

Aquí en nuestras diferentes luchas y actividades, su lucha ha sido siempre un ejemplo. Sus éxitos nos han animado, sus ideas nos han inspirado ¡Por ello les damos las gracias!

Debido a que nos alegramos con ustedes, en esta víspera de Año Nuevo, hemos tenido no sólo – como cada año – la celebración y la bienvenida al nuevo año, sino también festejamos la rebelión zapatista que ya desde hace 20 años exitosamente camina preguntando. En esta fiesta hicimos para ustedes como un pequeño saludo, una foto que les enviamos anexo a la presente carta.

¡Saludos cariñosos y solidarios de sus compañeras y compañeros de Düsseldorf, un rincón muy otro de este mundo!

¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf
Antifaschistische Linke Düsseldorf
Becoming Queer
Brigada Hora Azul
Brunch Gruppe
Cable Street Beat
Café Bunte Bilder
Dissidenti Ultra
Don‘t Panic – Computerkneipe
Erwin Youth
Fahrradselbsthilfe
Grrrls Uprising
Gruppe F
Gruppe Hilarius
i furiosi – Interventionistische Linke
Infocafé
Input – antifaschistischer Themenabend
Kneipenabend
Kopfball!
Rechtshilfegruppe
Rote Hilfe Düsseldorf-Neuss
see red! – Interventionistische Linke Düsseldorf

Y cuando necesiten apoyo: ¡Aquí estamos!