„Mit unserem Schweigen meldeten wir uns. Nun verkünden wir mit unserem Wort folgendes:“ – die EZLN kündigt in ihrem Kommuniqué neuen Schritte an

Nach der überraschenden symbolischen Einnahme von fünf Bezirkshauptstädten in Chiapas am 21.12.2012, bei der 50.000 junge Zapatistas – also die zweite oder dritte Generation der Bewegung und ebensoviele Männer wie Frauen – ein beeindruckendes Zeichen der Stärke und Geschlossenheit der Bewegung aussandten, haben die Zapatistas zum Jahresende ein neues, umfangreiches Kommuniqué veröffentlicht. Ebenso wie die Großmobilisierung hat dies vor allem eine Botschaft: Trotz Krieg und Aufstandsbekämpfung durch zehntausende Soldaten, Polizei und Paramilitärs, trotz Lügen und Schweigen in den Medien und Verlautbarungen, trotz Milliarden von Pesos für Korruption, Megaprojekten und „Entwicklungshilfe“ – auch 19 Jahre nach ihrem Aufstand sind die Zapatistas stark und widerständig; sie haben ihre Selbstverwaltung gestärkt und von ihr profitiert; und: Sie machen mit neuem Schwung weiter!

Sie konstatieren in ihrem Kommuniqué, in den Jahren seit ihrem Aufstand hätten sie ihre Lebensbedingungen entscheident verbessert – diese seien besser als die der Regierungsanhänger_innen, die nur Almosen erhielten. Sie aber lebten in Einklang mit der Natur und in einer solidarischen Gemeinschaft, auf ihrem eigenen Land mit guten Schulen und einem guten Gesundheitssystem, selbstverwaltet, nach ihren eigenen Vorstellungen und ihrer eigenen Kultur und offen für die Welt. „All dies wurde nicht nur ohne die Regierung, die politische Klasse und die sie begleitenden Medien erreicht, sondern auch während wir gegen ihre Angriffe aller Art Widerstand leisteten,“ schreiben sie. Die Medien und die offizielle Politik, aber auch Teile der mexikanischen Linken hätten versuchte, die Zapatistas durch Angriffe und Verschweigen zum Verschwinden zu bringen. Aber: „Wie der 21. Dezember 2012 es zeigte, sind sie alle gescheitert“. Nun hätten die Regierenden die Wahl: Entweder sie setzen ihre Aufstandsbekämpfung und die Nicht-Anerkennung der Zapatistas fort, oder sie setzen endlich die getroffenen Vereinbarungen um und erkennen an, „dass auf zapatistischem Gebiet in Chiapas, Mexiko, eine neue Form des sozialen Lebens erblüht.“

Die Zapatistas ihrerseits kündigen an, dass sie wieder verstärkt in Austausch mit den sozialen Bewegungen in Mexiko und weltweit treten wollen. Dafür wollen sie bereits existierende Strukturen und Plattformen nutzen, aber auch neue Brücken schlagen. Sie wollen eine mexiko- und weltweiten, internen Kommunikationsstruktur schaffen und in der kommenden Zeit verschiedene zivile Initiativen vorschlagen.

Der kompletten Text des Kommuniqués in Deutsch findet sich hier.

Seit dem Überraschungscoup der Zapatistas am 21.12. widmen sich nun auch die großen Medien und die offizielle Politik wieder den Zapatistas. Die Regierung von Chiapas und das mexikanische Parlament haben vorgeschlagen bzw. angekündigt, mit den Zapatistas neue Verhandlungen aufzunehmen. Der neue mexikanische Innenminister bat die Zapatistas in einem Interview, doch Geduld mit der neuen Bundesregierung zu haben, man kenne sich ja noch gar nicht. Auf diese Aussage reagierte der Sprecher der Zapatistas, Subcomandante Marcos, mit einem sarkastischen Offenen Brief mit dem Titel „Wir kennen sie also nicht?“ – in dem er die Verbrechen verschiedener Regierungsmitglieder auflistet. (Hier der Brief in deutscher Übersetzung)

Stand: 13.1.2013

Weitere Informationen:

Poonal (2.1.2013): „EZLN kündigt zivile und gewaltfreie Initiativen an“
Neues Deutschland (2.1.2013): „Zapatisten melden sich zurück“
Amerika21: Mexikanischer Innenminister bittet Zapatisten um Geduld