Angriff auf mexikanische Frauenrechtlerin – Aktiv werden!

Am 2. Dezember 2011 wurde die bekannte Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin, Norma Esther Andrade, aus der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juárez, Bundesstaat Chihuahua, von einem unbekannten Mann angegriffen und schwer verletzt. Dieses Attentat reiht sich in eine Serie von Drohungen, Angriffen und Morden an Aktivistinnen in Ciudad Juárez und anderswo in Mexiko, die gegen den ausufernden Feminizid (Mord an Frauen aufgrund ihres Geschlechtes) aktiv werden.

Wir bitten euch daher, euch an der Eilaktion von Amnesty International zu beteiligen und Protestbriefe an die mexikanischen Behörden zu schreiben. Dazu haben wir unten einen Musterbrief und die deutsche Übersetzung erstellt. Zunächst aber ein paar Hintergrundinfos. Gerne könnt ihr diese Info auch weiterverbeiten.

Vielen Dank!

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Hintergründe

Norma Esther Andrade ist Mitbegründerin der Organisation Nuestra Hijas de Regreso a Casa (NHRC), die wir mit ¡Alerta! bereits bei dem von uns mitorganisierten Themenmonat zur mexikanischen Nordgrenze 2008 bekannt gemacht und unterstützt haben. Die Organisation setzt sich seit 2001 für die Aufklärung der Mordserie an (vor allem jungen und armen) Frauen in Ciudad Juárez ein, der in den letzten 15 Jahren nach vorsichtigen Schätzungen mehr als tausend Frauen zum Opfer gefallen sind. Die Frauen, deren Leichnam gefunden wurden, wurden nach sehr ähnlichen Mustern grausam ermordet. Andere sind bis heute verschwunden. Die mexikanischen und lokalen Behörden bemühen sich kaum um eine Aufklärung. Nuestra Hijas de Regreso a Casa kämpft außerdem gegen die strukturellen Gründe für die ausufernde Gewalt gegen (insbesondere arme) Frauen und unterstützen Angehörige von ermordeten oder verschwundenen Frauen.

Am Nachmittag des 2. Dezember 2011 verließ Norma Esther Andrade ihre Wohnung in Ciudad Juarez. Auf dem Weg zu ihrem Auto näherte sich ihr ein unbekannter Mann. Sie bot ihm an, er könne die Autoschlüssel und ihre Brieftasche an sich nehmen. Der Mann gab jedoch keine Antwort, sondern feuerte stattdessen mehrere Schüsse auf sie ab. Anschließend flüchtete er vom Ort des Geschehens. Norma Esther Andrade wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand ist mittlerweile stabil, die Klinik hat sie aber noch nicht verlassen können.

Seit Juni 2002 sind nicht nur Norma Esther Andrade, sondern auch ihre Familie und andere NHCR-MitarbeiterInnen wiederholt bedroht worden. Am 30. September 2011 erstattete Malú Garci Andrade, Tochter von Norma Esther Andrade, bei den Bundesbehörden Anzeige, nachdem sie am Telefon bedroht worden war. Der Anrufer hatte ihr mitgeteilt, man habe ihren und den Aufenthaltsort ihrer Familie ausfindig gemacht. Wenige Tage später wurde Norma Esther Andrade über einen Bekannten ausgerichtet, sie habe zwölf Stunden Zeit, die Stadt zu verlassen. Anderenfalls werde man sie und ihre Familie töten. Seit 2008 hat die Interamerikanische Menschenrechtskommission von der mexikanischen Regierung Schutzmaßnahmen (medidas cautelares) zugunsten von vier NHRC-Mitarbeiter*innen verlangt.

Momentan bittet NHRC um finanzielle Unterstützung für die Familie Andrade, damit diese die medizinische Versorgung von Norma Esther stemmen kann.

Weitere Infos
Homepage von Nuestras Hijas de Regreso a Casa (spanisch)
Eilaktion von Amnesty International
Interview (in Deutsch) mit Marisela Ortiz von Nuestras Hijas de Regreso a Casa aus Ciudad Juárez
Artikel bei amerika.21
Doku „Bajo Juarez“ über ide Frauenmorde (in Spanisch; 2006)
Artikel aus den „Lateinamerika Nachrichten“
Artikel aus der ila

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Musterbrief

Senden an: secretario@segob.gob.mx [Mexikanischer Innenminister], despachodelejecutivo@hotmail.co [Gouverneur des Bundesstaates Chihuahua]

Kopie an: correo@cndh.org.mx [Mexikanische Menschenrechtskommission], karla_micheel@yahoo.com [Organisation Nuestras Hijas de Regreso a Casa], mail@mexale.de [Mexikanische Boschaft in Deutschland]

Betreff: Atentado en contra de Norma Andrade

Text [unten bitte eigenen Namen einfügen!]:

Estimado señor Ministro, estimado señor gobernador,
con sobresalto y rabia me enteró del atentado a la defensora de derechos humanos conocida y respetada al nivel internacional, Norma Andrade – que también significa un fallo grave de sus administraciones.

Junto con Amnistía Internacional condeno enérgicamente el atentado en contra Norma Andrade, integrante de la organización civil Nuestras Hijas de Regreso a Casa, el cual ocurrió el 2 de diciembre cuando fue atacada por un desconocido con una arma de fuego al salir de su casa en Ciudad Juárez. La defensora de derechos humanos se encuentra en el hospital, al parecer, en una condición estable.

Exijo que las autoridades federales y estatales garanticen la seguridad de Norma Andrade y los demás miembros de su familia, incluida Malú García Andrade, su hija que también es directora de Nuestras Hijas de Regreso a Casa. Esto es su obligación en particular considerando que Norma Andrade y Malú García Andrade y otras integrantes de Nuestras Hijas de Regreso a Casa han recibido medidas provisionales de la Corte Interamericana.

Exijo que se investigue de forma imparcial y eficaz este atentado, en particular dada la serie de amenazas que ha habido contra Norma Andrade y otras integrantes de la organización Nuestras Hijas de Regreso a Casa.

Exijo que inmediatamente se ponga en práctica un programa nacional y estatal para garantizar de forma eficaz la seguridad y integridad de todos y todas defensores de los derechos humanos en Chihuahua y en México en general.

Atentamente,

[hier Namen und Ort einfügen] / Alemania

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Deutsche Übersetzung

Betreff: Attentat gegen Norma Andrade

Text:

Sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrter Herr Gouverneur,

mit Bestürzung und Wut erfuhr ich von Attentat auf die international bekannten und respektierte Menschenrechtsverteidigerin Norma Andrade – das auch eine schweres Versagen ihrer Regierung bedeutet.

Zusammen mit Amnesty International verurteile ich energisch das Attentat gegen Norma Andrade, ein Mitglied der Nicht-Regierungs-Organisation „Nuestras Hijas de Regreso a Casa“, das sich am 2. Dezember ereignete, als sie vor ihrem Haus in Ciudad Juarez von einem Fremden mit einer Pistole angegriffen wurde. Die Menschenrechtsverteidigern befindet sich jetzt im Krankenhaus, offenbar in einem stabilen Zustand.

Ich fordere, dass die Bundes-und Staatsbehörden die Sicherheit von Norma Andrade und andere Mitglieder ihrer Familie gewährleisten, darunter Malu Garcia Andrade, ihrer Tochter, die ebenfalls Direktorin von „Nuestras Hijas de Regreso a Casa“ ist. Das ist ihre Pflicht, insbesondere wenn man bedenkt, dass Norma Andrade, Malu Garcia Andrade und andere Mitglieder von „Nuestras Hijas de Regreso a Casa“ Schutzmaßnahmen durch den Interamerikanischen Gerichtshof zugesprochen wurden.

Ich fordere, dass dieses Attentat unparteiisch und effektiv untersucht wird, besonders da Norma Andrade und andere Mitglieder der Organisation „Nuestras Hijas de Regreso a Casa“ bereits eine Serie von Drohungen erhielten.

Ich fordere, dass unverzüglich ein Bundes- und Staats-Programm umgesetzt wird, dass auf wirksame Weise die Sicherheit und Unversehrtheit aller Menschenrechtsverteidiger*innen in Chihuahua und ganz Mexiko sicherstellt.

Mit freundlichen Grüßen,

[Name und Ort] / Deutschland]