Punk, Autonomie und Politischer Aktivismus in Mexiko

Erschienen im Plastic Bomb Nr. 73 – Dezember 2011
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Im September bin ich von meiner Reise durch Mittelamerika und Mexiko wiedergekommen. Dort habe ich ein Jahr lang viele super spannende und hoffnungsvolle Menschen, Geschichten, politische Kämpfe und Projekte kennengelernt – daneben natürlich auch viel kaum zu ertragende soziale Ungerechtigkeit und traurige Schicksale. Aber vor allem die Hoffnung, der Mut und die Ideen vieler Menschen dort haben mich begeistert.

Von zwei dieser Erfahrungen möchte ich euch deshalb berichten: Von Januar bis Juli 2010 war ich als Menschenrechtsbeobachter im mexikanischen Bundesstaat Chiapas tätig und habe dort in zapatistischen und anderen widerständigen Gemeinden gearbeitet. Dazu gibt es ebenfalls einen ausführlichen Bericht. Anschließend bin ich weiter nach Mexiko Stadt gefahren. Die gigantische Metropole, mit ihren über 20 Millionen Einwohnern, war ein ziemlicher Kontrast zu den kleinen Berg- und Urwald-Gemeinden, in denen ich in Chiapas war: Laut, viel Trubel, voller Menschen und voller Leben, tausend Attraktionen. Aber ganz so schlimm, wie man sich ein solches „Moloch“ vielleicht vorstellt, war es auch nicht. Es gibt erstaunlich viel Grün, die Stadt ist zwar riesig, aber nicht total eng bebaut – und vor allem: die meisten Leute hier sind entspannter und freundlicher als man das aus Kaltland gewöhnt ist.

Vor allem aber war Mexiko Stadt für mich auch wie eine „Brücke“ zwischen den Erfahrungen, die ich vorher bei den Zapatistas und Anderen im Gebirge oder Dschungel Mittelamerikas und Chiapas gemacht habe und dem Großstadtdschungel im hochindustrialisierten Doofland. Denn mitten in der mexikanischen Hauptstadt befindet sich nahe des historischen Stadtzentrums im Untergeschoss eines alten Gebäudes einer der wenigen selbstverwalteten Freiräume der Stadt: Die „Z.A.M.“. Hier gibt es einen Info-Laden und eine kleine Halle Treffen, Workshops und Veranstaltungen – und hier leben 6 zapatistisch-anarchistische Punks/Aktivist_innen im Kollektiv zusammen. Dazu kommen eine wechselnde Zahl von Gästen aus aller Welt – und auch ich konnte hier für 2 Monate unter kommen.

Wie fast überall während meiner Reise bin ich hier mit sehr viel Gastfreundschaft aufgenommen worden und habe dabei sehr nette, fitte und bewusste Menschen kennen gelernt. Nichts lag also näher, als mich kurz vor meiner Weiterreise mit ein paar meiner neuen Freunde zusammenzusetzen und ihnen ein paar Fragen zu stellen: Über die Z.A.M. und ihre Aktivitäten dort, über Punk in Mexiko gestern und heute, über die Unterschiede zur deutschen Szene. Außerdem reden wir über ihr Punk-Kollektiv und wie sie die Verbindung zwischen Punk und Politik sehen und leben. Ich denke, sie haben eine Menge spannender Dinge dazu zu sagen, die auch für uns hier in Deutschland eine Anregungen zum Nachdenken und (Anders-)Leben sein können. – Viel Spaß also beim lesen, nachdenken und anders leben!

Martin

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DIE Z.A.M.

Martin (M): Was bedeutet der Name „Z.A.M.“?
Pirra (P): Der Name bedeutet „Zona Autónoma Makhnovtchina“1. „Autonome Zone“ ist beeinflusst durch das Konzept der „Temporären Autonomen Zonen“ des Schriftstellers Hakim Bey2. Und klar, natürlich auch weil es ein selbstverwalteter Raum ist. Und der Name „Makhnovtchina“ ist eine Hommage an den ukrainischen Anarchismus, der uns beeinflusst hat3.

M: Und was ist die Idee oder die Philosophie hinter der Z.A.M.?
Santi (S): Die Idee der Z.A.M. Ist keine feststehende Philosophie und sie verändert sich. An der Z.A.M. beteiligen sich viele Individuen und Kollektive und alle versucht, eine selbstbestimmte Praxis zu leben – aus der jeweils eigenen Sicht und mit den Mitteln, die jeder und jedem zur Verfügung stehen. Zentral ist: Die Z.A.M. ist ein Freiraum – wir zielen darauf, mit den Mustern der Gesellschaft zu brechen, und einen freien Raum zu erschaffen, in dem wir selbst über unsere Gegenwart und unsere Zukunft bestimmen können.
Chiwy (C): Ich denke, dass wir weniger eine Philosophie als mehr einige Prinzipien haben, mit denen wir uns identifizieren. Das sind der Anti-Autoritarismus, also die Ablehnung politischer Parteien, die Ablehnung der Machtorgane der Regierung, der Religion und so weiter – alles was uns in der Kontrolle der Macht hält. Und wir befördern die Autonomie, die Selbstbestimmung, den Do-It-Yourself-Gedanken. Aber weitergehende Regeln und Einschränkungen haben wir in der Z.A.M. nicht. Alle Menschen, die diese Prinzipien haben, sollen hier Platz haben. Spannend ist, dass wir selbst hauptsächlich Punks sind, aber es kommen wenige Punks. Es kommen eher andere Leute, sehr unterschiedliche, denen die Aktivitäten und die politischen Ideen hier gefallen.

M: Wie und wann habt ihr mit der Z.A.M. angefangen?
P: Wir kommen aus verschiedene vorherigen Projekten. Das wichtigste ist die „Furia de las Calles“4, die als Label und Vertrieb angefangen hat und aus der dann ein Kollektiv hervorgegangen ist. Und daher kam hauptsächlich die Idee, dass wir einen Ort brauchen, um unsere Aktivitäten zu machen, unsere Workshops abzuhalten und um einen gemeinsamen Wohnraum zu haben. Aber zu Anfang haben wir keinen solchen Ort gefunden, nur ein Lokal für unseren Info-Laden. Dort haben wir auch versucht Lern-Gruppen zu machen. Und dann hat sich diese Gelegenheit hier ergeben.
S: Wir hatten schon vorher die zapatistischen Genossen kennen gelernt, die die Zeitschrift „Rebeldía“5 herausgeben. Die hatten hier in den Räumen ein eigenes Druckerei-Kollektiv. Und da wir seitdem unsere Flugblätter und Fanzines von ihnen drucken ließen, haben wir uns immer besser kennen gelernt. Und als sie sich entschieden haben, hier auszuziehen, haben sie uns die Räumlichkeiten überlassen. Zunächst war es die „Furia de las Calles“, die das Projekt begonnen hat. Aber es sind immer mehr Leute dazugekommen – als Kollektive oder Einzelpersonen. Und jetzt, nach über einem Jahr hier, sind wir eine Gemeinschaft von Kollektiven.

M: Könnt ihr ein bisschen mehr über die Aktivitäten erzählen, die ihr hier macht? Welche Kollektive und Projekte habt ihr hier?
C: Am stärksten sind Kunst-Ausstellungen und Kunst-Workshops, außerdem das „Hacklab“, ein Hacker-Labor, in dem wir Freie Software und die Hacker-Philosophie verbreiten. Wir recyceln Hardware und wir helfen vielen Leuten bei digitalen und elektronischen Projekten. Wir geben viele Workshops dazu, wie man Webseiten macht, wie man mit Freier Software designt, wie man Freie Software auf seinem Computer installiert und so weiter. Darüber hinaus haben wir jetzt den Info-Laden der „Furia de las Calles“ hier, wo wir Punk-Kram, libertäre Infos und Sachen zu Autonomie und zum Zapatismus anbieten. Wir haben auch eine Offset-Druckmaschine. Andere Freunde haben hier ein paar Veranstaltungen zu Umweltschutz, nachhaltiger Lebensweise und städtischer Landwirtschaft gemacht. Und außerdem haben wir schon Filme gezeigt, es gab Buchvorstellungen, Vorträge, Studienkreise über Autonomie und andere Dinge – außerdem ein paar Konzerte, auch wenn das nicht das ist, was uns vordringlich interessiert und was wir befördern wollen.
P: Und außerdem haben wir hier noch ein anderes Projekt, dass sich „espora.org“ nennt. Das ist ein autonomer Server auf dem viele linke Organisationen und Kollektive ihre Seiten haben.

M: Letzten Jahr habt ihr hier das Hacker-Treffen „Hackmitin“ organisiert. Könnt ihr darüber noch was erzählen?
P: Ein spanischer Freund von uns hat uns von den Hacker-Treffen dort erzählt. Für uns schien sowas hier in Mexiko noch in weiter Ferne. Aber als er hier in Mexiko war war er sehr motiviert, auch hier eins zu organisieren. Und da wir auch an der Idee dran waren, haben wir uns zusammengetan, viele Leute zusammengebracht und das „Hackmitin“ auf die Beine gestellt. Es war ein Treffen zu Freier Software. Es kamen auch viele Leute von sozialen Bewegungen, die nicht viel Ahnung von Technik und Software hatten. Es war über drei Tage ein sehr angenehmes Miteinander, ein kollektiv organisiertes Treffen.
C: Es war ein sehr wichtiges Ereignis, um die politische Bedeutung der Freien Software bekannter zu machen. Denn viele sehen die politische Dimension des Ganzen nicht. Sie sehen es als eine technische Frage und nutzen vielleicht Linux, weil es weniger Virusprobleme damit gibt als bei Windows. Wir sehen es aber als etwas sehr politisches an, , als ein Mittel für Selbstbestimmung und als Werkzeug für die Vernetzung sozialer Bewegungen. Außerdem haben sich durch das „Hackmitin“ Netzwerke zu Freier Software in ganz Mexiko gebildet. Dieses Jahr organisieren wir zusammen das nächste „Hackmitin“, das Anfang November in Oaxaca6 stattfinden wird.

M: Santi, du bist Künstler, siehst deine Kunstprojekte auch als politische und soziale Kampfform an. Warum?
S: Ich sehe die visuelle Frage als einen wichtigen Aspekt der Autonomie an. Gerade innerhalb der Städte muss es einen visuellen Widerstand geben. Weil wir in einer sehr visuell geprägten Gesellschaft leben. Egal wo du hingehst, siehst du in den Straßen Werbeplakate, die dir sagen: „Kaufe dies!“ – unsere Wahrnehmung wird entlang von Geld und Wirtschaftsinteressen geleitet. Wir begreifen uns deshalb selbst nur noch als Konsumenten und fühle uns oft schlecht: Der eine fühlt sich zu dünn, der andere zu dick, einige haben zu dunkle Haut, andere haben zu helle Haut – die westliche Gesellschaft lässt uns alle glauben, dass wir nichts wert sind. Sie hält uns in einer konstanten Unsicherheit, greift beständig das Selbstbewusstsein der Menschen an. Und dieses niedrige Selbstwertgefühl nutzt der Kapitalismus einmal, um die Menschen unter Kontrolle zu halten, und außerdem, um zu verkaufen – denn nur so kann er fortbestehen: Der Ausweg, der uns ständig vorgegeben wird, um uns besser zu fühlen, ist Einzukaufen.
Daher müssen wir etwas dagegensetzten, was die Leute sehen und schön finden. Wir müssen eine visuelle Alternative zu all der Scheiße schaffen, die uns das System einimpft. Deshalb begreifen wir in den drei Kunstkollektiven, in denen ich bin, unsere Arbeit als Kunst zum politischen Kampf. In Mexiko hat das eine lange Geschichte – der Produktion von Grafiken, die aufrütteln und die exisiterenden Ungerechtigkeiten aufdecken.

M: Und was macht ihr mit diesen Kollektiven gerade so?
S: Momentan haben wir hier im Z.A.M. etwa eine Ausstellung von einem meiner Kollektive: Weil im Dezember 2010 der UN-Klimagipfel in Mexiko stattfinden wird, haben wir Poster entworfen, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen und die Lügen der Mächtigen anprangern, sie würden eine Lösung für den Klimawandel finden. Jeder weiß, das der Klimawandel zum großen Teil durch unsere Lebensweise im Kapitalismus hervorgerufen wird. Mit unseren Postern machen wir deutlich, dass die UN die kapitalistischen Interessen der mächtigen Staaten und der multinationalen Konzerne verteidigt, und dass das kapitalistische Produktionssystem der Ursprung des Klimawandels ist – dass das keine abstrakte Frage ist, sondern dass der Klimawandel mit der Art und Weise zu tun hat, wie wir alle unser Leben leben. Und dass wir dabei einen radikalen Wandel einleiten müssen, um das Problem anzugehen.

M: Ihr habt diesen Raum von den vorherigen Nutzer_innen überlassen bekommen, ihn genutzt, mit Leben gefüllt, jetzt kann es aber sein, dass man versucht euch hier rauszuschmeißen. Wie ist die Situation momentan?
C: Das Problem ist, dass die Situation nie besonders klar gewesen ist, seit man uns die Räume überlassen hat. Das Gebäude gehörte lange einer kommunistisch-trotzkistischen Partei. Mittlerweile sind die meisten Leute in der Partei aber nicht mehr an politischen Zielen sondern an Geld und Macht interessiert. Und durch Spaltungen und finanzielle Probleme der Partei haben es einige Leute geschafft, sich das Haus unter den Nagel zu reißen. Die wollen es jetzt an eine Immobiliengesellschaft verkaufen.

M: Kann man denn sagen, dass eure Räumlichkeiten hier besetzt sind?
C: Am Anfang war er eher „geliehen“… aber jetzt ist er immer mehr „besetzt“.

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SOLIDARITÄT MIT DER Z.A.M.

Da sich die Situation der Z.A.M. nach dem Interview weiter zugespitzt hat, habe ich bei Chiwy per E-Mail nachgefragt, wie es momentan aussieht und wie man ihnen aus Deutschland helfen kann. Das hat er geantwortet: „Die Leute von der Partei haben uns mittlerweile gebeten auszuziehen, da das Haus jetzt einem anderen Besitzer gehöre. Sie sind auch ausgezogen. Wir haben gesagt, dafür bräuchten wir ein bisschen Zeit – aber natürlich wollen wir nur Zeit gewinnen, um uns dagegen zu wehren und hier bleiben zu können. Wir wollen diesen Raum und unsere Arbeit darin verteidigen und haben daher jetzt verstärkt Aktivitäten organisiert. Wir haben außerdem eine Erklärung verbreitet (in Deutsch), um Öffentlichkeit herzustellen und Unterstützung zu erhalten – darauf sind auch zwei Artikel in mexikanischen Zeitungen erschienen.
Um uns von Deutschland aus zu helfen, wäre es toll, wenn diese Information weiter verbreitet wird und dass man vielleicht eine Soli-Party oder ein Soli-Konzert für die Z.A.M. organisiert, um uns finanziell ein bisschen zu unterstützen.“ Wer helfen will, kann sich gerne bei der Z.A.M. (zam---ait---riseup.net) melden.

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M: Trotz dieser Unsicherheit: Was wollt ihr noch in der Z.A.M. machen? Welche Ideen und Pläne habt ihr für die Zukunft?
C: Wir wollen sehr gerne die Räumlichkeiten verbessern: Eine Bühne für die Konzerte, bessere Infrastruktur für die Ausstellungen und das Hacklab, eine Fahrradwerkstatt, den Infoladen verbessern, die Toiletten. Aber es lohnt sich nicht, sich all die Mühe zu machen und das ganze Geld und die Arbeit dafür zu investieren, etwas langfristiges aufzubauen, wenn wir nicht wissen, dass wir hier noch länger bleiben können.

PUNK IN MEXIKO

M: Okay, neues Thema: Wie und wann ging es in Mexiko mit Punk los? Erzählt mal ein bisschen über die Geschichte des Punk hier!
C: Es ging Ende der 70er los. Zunächst waren es vor allem Jugendliche, die reich genug waren, um in andere Länder reisen zu können und die dort die Punkbewegung kennenlernten. Als sie zurück kamen, gründeten sie ein paar Punkbands. Aber das war sehr yuppie-mäßig. Später, in den 80er Jahren, gab es eine große Welle, die sich am Schlachtruf „No Future“ orientierte. Das waren Jugendliche von der Straße, die sich in Banden organisierten. Sie hatten keine politische Einstellung, denen war alles egal. Es ging nur um Musik, Drogen, Alkohol, Gewalt. So war es besonders in Mexiko Stadt.
Aber in Städten wie Tijuana7 gab es bereits Anfang der 80er einige stärker politische Bands, die von den Dead Kennedys, Crass und so weiter beeinflusst waren – etwa Solucion Mortal. Und diese Bands beeinflussten dann Bands hier aus Mexiko Stadt. Mitte der 80er gab es schon mehr politische Bands, die ersten Punk-Kollektive wurden gegründet, schon vorher gab es einige Fanzines – und das setzte sich fort. In den 90ern gab es bereits viele Kollektive. Etwas sehr wichtige für die Entwicklung waren die Demonstrationen gegen die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der sogenannten „Entdeckung Amerikas“ 1992. Viele Punks haben daran teilgenommen.
Ich bin etwa 1994 zum Punk gekommen und mich hat immer schon mehr das Politische daran angezogen, wenn ich die Fanzines gelesen habe und die Texte gehört habe. Ich bin dann bald in ein Kollektiv eingetreten. In diesen Jahren gab es viele Punk-Treffen. Dadurch habe ich viele andere Kollektive und Fanzines im ganzen Land kennen gelernt.
P: Also ich kann was zum Zeitraum von 2000 bis heute sagen (lacht). Damals bin ich zum Punk gekommen. Und ich traf auf eine Punk-Bewegung die zumindest hier in Mexiko Stadt stark politisiert und voller Kollektiven war. Es gab viele Treffen, viele Fanzines, Bands, Konzerte. Und viele Punks, die in verschiedenen sozialen Bewegungen mitmachten, etwa in der Anti-Globalisierungs-Bewegung, in Demos gegen multinationale Konzerne – damals war es noch nicht so wie heute, wo diese Demos nichts mehr bringen, damals wurden die Konzerne noch richtig angegriffen. Auf die Demos zum 2. Oktober8 gehen auch heute noch viele Punks. Ich war damals dabei als wir mit verschiedenen Kollektiven aus dem ganzen Land eine Solidaritäts-Karawane zu den zapatistischen Gemeinden in Chiapas organisiert habe. Damals gab es in der Punk-Szene viel Interesse an den Zapatisten und viel Solidarität mit ihrem Kampf.

M: Wie ist denn die Situation der Punk-Szene heute?
C: Ich glaube Punk ist in einer Krise – in Mexiko und in fast der ganzen Welt. Soweit ich es aus Gesprächen mit Leuten aus anderen Ländern und bei meinen Reisen mitbekommen habe. Alles ist immer stärker auf die Musik fixiert. Gerade auch mit Crust und D-Beat wird alles sehr entpolitisiert. Diese Bands haben keine politische Boschaft mehr. Dadurch, dass sie sich mit Metal vermischen, tragen sie die ganze Apathie von Metal in den Punk. Dadurch verliert Punk viele seiner eigentlichen Wurzeln. Für viele Leute ist Punk schon nur noch Musik. In Mexiko gibt es immer weniger Kollektive oder sie verschwinden nach 1 oder 2 Jahren wieder. Auch Fanzines gibt es kaum noch. Und Bands gibt es auch nicht so viele. Die bekanntesten Bands sind Crust- oder D-Beat-Bands. Das ist kein besonders hoffnungsvolles Panorama – aber das ist das, was ich sehe.
P: Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass wir früher mehr Fanzines verkauft haben und andere Info-Materialien. Heute fragen die meisten Punks nach CDs oder Nieten. Kaum noch nach Dokus oder Büchern. Die Dokus, Bücher und Fanzines, die wir hier in unserem Laden verkaufen, die kaufen andere Leute. Wie Chiwy gesagt hat: Punk ist in einer Krise.
S: Ich würde nicht sagen, dass Punk in Mexiko in einer Krise ist – das hört sich für mich zu kritisch an. Aber die Bewegung ist zur Zeit von sehr viel Passivität geprägt. Ich weiß nicht, woher das kommt, ob es die ganze Gesellschaft ist, die so passiv ist oder nur die Jugend. Aber ich bin schockiert, wie stark die Leute ruhig gestellt sind. Besonders in Lateinamerika ist die politische und wirtschaftliche Situation sehr ernst – und die Leute sitzen vor Myspace oder Facebook, dem Fernseher oder hören einfach nur Musik. Gut, die sozialen Netzwerke im Internet sind nicht prinzipiell schlecht, aber wie sie genutzt werden, dass ist das schlimme. Musik hören ist nichts schlimmes, aber wenn sie dazu dient, die Menschen ruhig zu stellen, dann ist das ein Problem. Punk ist bei diesen größeren gesellschaftlichen Prozessen mitgezogen worden. Und der Kapitalismus hat sich im Punk eingenistet und ihn kommerzialisiert.
Um aber als Punks politisch und sozial relevant zu bleiben, müssen wir informiert bleiben und Punk mit Politik verbinden. Um die Wut, die Punk ausmacht, in eine positive Richtung lenken zu können. Damit etwas aus dieser Wut erwächst. Außerdem ist es wichtig, dass wir nicht in einem Ghetto bleiben und immer nur Punk, Punk, Punk wollen und nichts anderes. Es gibt andere Bewegungen, die nichts mit Punk zu tun haben, und es ist wichtig, sich mit ihnen zu verbinden, genauso in unserem Viertel und mit unseren Nachbarn. Zu wissen, was passiert – außerhalb von Punk und unserer kleinen Welt. Was wollen wir mehr als indigene Gemeinden in Mexiko, die ihre Selbstbestimmung suchen – wie in Atenco, in Chiapas oder Oaxaca. Es gibt Punks, die das nicht interessiert, die das nicht als etwas begreifen, mit dem sie sich identifizieren können. Weil es keine Hardcore-Band ist oder weil die Menschen dort die Haare nicht hochgestellt haben. Es kann ja nicht sein, dass wir diese Möglichkeit nicht nutzen, nur weil es nicht in die Punk-Stereotype passt.

M: Welche verschiedenen Szenen innerhalb der Punk-Bewegung gibt es hier? Vermischen sie sich, tauschen sie sich aus?
C: So wie ich es mitbekommen habe, ist es in anderen Ländern gespaltener als hier. Hier gibt es auch nicht so viele Leute in der Szene. In Mexiko Stadt gab es ab und zu Konzerte mit 2.000 oder 3.000 Punks, aber wenn man sieht, wie viele Leute stärker in die Szene involviert sind, dann sind wir nicht so viele. Wir waren immer so 50 bis 200 Leute. Und unter denen gab es eine große Vielfältigkeit: Crust, Punk, HC, Skinheads und so weiter und es gab generell viel Freundschaft unter uns. Das war aber mehr in den 90ern und zu Beginn des neuen Jahrtausends so. Danach wurde es immer mehr Mode, Skinhead zu werden. Und wegen der gewalttätigen Einstellung vieler Skinheads gab es sehr viele Probleme – auch mit den nationalistischen oder schlimmeren Einstellung von einigen. In den letzten Jahren wurde es dann immer gespaltener vor allem mit den Crust-Leuten, die nur noch Crust hören wollen und sagen, sie wollen mit Punk nichts mehr zu tun haben. Aber ich weiß auch nicht so gut über all das Bescheid. Ich kenne zwar ein paar der jüngeren Leute, aber es gibt viele neue junge Leute. Leider sind aber viele nur ein, zwei Jahre dabei und verschwinden dann wieder – und so kann nichts Konstantes entstehen, man kann keine wirkliche Richtung oder Idee erkennen.
P: Es gibt viele Etikette, die dazu dienen zu unterteilen und zu spalten. Die werden auch dazu genutzt eine Überlegenheit der einen Seite über die andere zu behaupten. Ich weiß nicht genau, wie so was entsteht. Vielleicht so, dass die Ideen und die Art und Weise von bestimmten Bands einige Jugendliche so stark beeinflussen, dass sich eine Bewegung gründet, die die Bands vielleicht nie gründen wollten. Etwa Minor Threat oder Amebix…
C: Discharge.
P: Ja, Discharge – viele sagen, dass D-Beat durch Discharge entstanden ist. Das sehe ich nicht – zumindest nicht in der Einstellung, sondern nur in den Buchstaben (lacht). Durch all das gab es viele Trennungen. Mir gefällt es aber besser es einfach als Punk zu begreifen, ohne diese ganzen Etikette – weil dann fängst du an zu sektieren. Wenn wir jetzt zum Beispiel anfangen würden uns Hacker-Punks zu nennen oder zapatistische Punks oder was weiss ich, dann würde uns das nur teilen. Wir sind alle Punks und uns interessieren viele unterschiedliche Dinge. So interessiert viele Punks zum Beispiel Tierrechte oder andere Sachen – das ist eher meine Vorstellung: Statt Etikette zu verteilen, einfach: Wir sind alle Punks!
C: Oft ist es so, dass die Etikette woanders entstehen und die Leute sie hier nur kopieren. Wir haben die USA als Nachbarland und ich glaube, in den USA gefällt es ihnen sehr gut für alles Etikette zu erfinden: Streetpunks, Crust-Punks, Veganer, keine Ahnung, wie viele Namen die für alles mögliche haben. Und hier gefällt es den Leuten, dass zu kopieren, obwohl es meist nicht viel mit der Realität hier zu tun hat.

M: In den 80ern gab es in der mexikanischen Punk-Szene sehr viel Gewalt. Wie ist das heute?
S: Die gibt es immer noch. Denn Punk ist in gewisser Weise ein Spiegel der Gesellschaft. Auch wenn wir im Punk und den anderen Gegenkulturen mit bestimmten gesellschaftlichen Mustern brechen wollen, wir schleppen viel der Indoktrination mit, die wir seit unserer Kindheit mitbekommen. In Mexiko war und ist die Gewalt eine der wichtigsten Waffen des Systems um die Jugendlichen gegeneinander auszuspielen und aufzuhetzen. Das ist das, was ich vorhin meinte: Wenn wir unsere Wut nicht auf ein positives Ziel hin ausrichten, wenn wir sie nicht in etwas positives verwandeln, dann zerstören wir uns selbst. Denn die Ungerechtigkeiten existieren und wir spüren sie. Das Entscheidende ist, zu erkennen, wo die Wurzel dieser Wut und dieser Ungerechtigkeiten sind.
Und ich denke, die Gewalt innerhalb der Punk-Szene ist davon ein Ausdruck: Die Leute fühlen sich scheiße, wissen aber nicht, gegen wen sie diese Wut richten sollen. Also richtest du sie gegen die Leute, die am einfachsten greifbar sind und eigentlich in einer ähnlichen Situation stecken. Und du suchst jeden Vorwand, damit diese Wut ausbrechen kann. Das ist auch ein Ausdruck von Machtlosigkeit. Die meisten Menschen werden es sich zwei Mal überlegen, ob sie einen Polizisten schlagen, oder einen Abgeordneten oder den Präsidenten – da kommt man kaum ran. Aber vielleicht an einen besoffenen Punk. Dem kannste leicht eine verpassen. Solange die Strukturen der Gesellschaft gewalttätig sind, wird auch die Gewalt in der Punkszene weitergehen.
C: Nicht nur in der Punk-Szene gab es in den 80ern Gewalt, sondern überall in der Gesellschaft. In allen Stadtvierteln gab es sehr gewalttätige Gangs. Ich weiß nicht so genau warum, aber das ist zurückgegangen – zumindest hier in Mexiko Stadt. Jetzt gibt es eine andere Form von Gewalt in diesem Land. Etwa die der Drogenkartelle – aber gut: Das ist eine andere Geschichte. Und in der Punk-Szene? Ich glaube die mexikanische Gesellschaft insgesamt ist ein bisschen gewaltvoller – ich denke so ist es in ganz Lateinamerika. Auf allen Konzerten, auf denen ich bisher gewesen bin, gab es normalerweise eine Prügelei – das ist das normalste von der Welt. Als ich dann auf Konzerten in Europa oder den USA war und es mal eine Schlägerei gab, haben die Leute ganz anders reagiert, sind direkt dazwischen. Hier ist das nichts, was als schlimm angesehen wird. Aber auch hier hat es sich abgekühlt. Es gibt noch fast immer Schlägereien, aber die sind nicht mehr so heftig – und es ist einfach was, an das wir gewöhnt sind und das wir nicht als so schlimm ansehen.

M: Mir ist aufgefallen, dass es hier im Vergleich zu Deutschland weniger Frauen in der Punk-Szene gibt – auch ihr seid nur Männer. Daher könnt ihr das auch nicht so gut einschätzen, aber trotzdem frage ich: Wie ist die Situation von Frauen in der Punk-Szene? Warum gibt es so wenige? Und wo sind Frauen in der Szene aktiv?
C: Nun, auch das hat wahrscheinlich kulturelle Ursachen. Wie in ganz Lateinamerika ist hier der Katholizismus immer noch fest verankert und das hat großen Einfluss auf die Erziehung. Und auch wenn du Punk bist, kannst du dich nicht so leicht von all dem kulturellen Balast befreien, den du mitbringst. Außerdem gibt es hier in den Familien noch viel Unterdrückung gegen Frauen, wenn sie zu oft ausgehen oder an Aktivitäten teilnehmen. Man sagt auch, es gäbe viel Machismo in der Szene… ich weiß nicht so recht, es ist ein kompliziertes Thema.
Gut, es gib wirklich wenige Frauen und wir haben uns immer gefragt, warum. Und die Frauen, die es gibt, sind eher die Freundin von jemanden und wenn sie das nicht mehr sind, dann ziehen sie sich aus der Szene zurück. Obwohl es auch einige Kollektive, Bands und Fanzines gegeben hat, die von Frauen gemacht wurden – die meisten haben aber nicht lange existiert. Dass es nicht so viele Frauen gibt, dafür gibt es viele Gründe… ich weiß nicht so richtig.
S: Das ist wirklich schwierig, denn ich habe zwar eine Meinung dazu, aber das ist die Wahrnehmung eines gesellschaftlich geprägten Mannes. Das könnte dir sicher besser eine Frau erklären, die das tagtäglich selbst erfährt. Aber ich glaube auch, dass es so wenige Frauen in der Punk-Szene gibt, weil es einen so starken gesellschaftlichen Druck gibt. Einmal innerhalb der Familie – mehr als die Söhne bekommen die Töchter einen starken Druck, dass sie einen gesellschaftlich akzeptiert Weg einschlagen. Und Punk ist da etwas komplett undenkbares. In meiner Familie ist das auch so gewesen. Meine Schwester ist auch Punk und der haben sie immer wieder gesagt: „Lass‘ das doch sein! Lern‘ was! Geh‘ arbeiten!“ Bei mir waren sie zwar auch nicht begeistert, haben mich jedoch viel mehr machen lassen.
Aber wir haben auch einige altgediente Punk-Kolleginnen, die alles mit durchgemacht haben. Und ja, für sie ist es sicher sehr viel schwerer. Denn neben dem, was sie zuhause an Diskriminierung aushalten müssen, müssen sie die Diskriminierung in der Punk-Szene aushalten. Denn die ist auch nicht frei vom Machismo, obwohl sie sich anti-sexistisch nennt. Wie vorhin schon gesagt, wir tragen diese Indoktrination in uns. Wir bleiben Männer innerhalb der Gesellschaft und wir benutzen weiter viele der gesellschaftlichen Muster. Wenn man sich die Konzerte oder den Chopo9 ansieht, dann ist das oft schon ein großer Kontrast zu dem anti-sexistischen Anspruch vieler Leute.

M: Ihr habt schon häufiger Touren von Bands aus dem Ausland organisiert. Was für Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Was plant ihr da für die Zukunft?
C: Seit ich ab den 90ern in Kollektiven war, haben wir verschiedene Konzerte organisiert. Die größten waren die von Sin Dios aus Spanien, und auch andere Bands wie Resist and Exist und andere kleinere Bands aus den USA und Spanien, und auch einige aus Argentinien wie etwa Sopa de Garron. Und Active Minds – was für uns eine tolle Erfahrung war, den sie sind sehr aufrechte und ehrliche Menschen. Ich habe viel von ihnen gelernt.
Seit vielen Jahren haben wir jetzt schon keine Konzerte mehr organisiert, denn das ist schwer hier: Die Mehrheit der Leute will keinen Eintritt bezahlen, es gibt Probleme mit den Nachbarn und so weiter. Ich habe in anderen Ländern gesehen, wie Leute kommen, zahlen und reingehen ohne dass es Probleme gibt. Hier – vielleicht wegen kulturellen und wirtschaftlichen Gründen – neigen die Leute dazu gewalttätiger zu sein und haben oft auch sehr wenig Geld. Außerdem haben wir eingesehen, dass Konzerte das am wenigsten revolutionäre sind, was man im Punk machen kann. Oft kommen die jungen Leute nur zu den Konzerten um zu lernen, wie sie sich besaufen und mit Drogen zuknallen können. Und das ist nicht gerade besonders revolutionär, oder? Vielleicht kann man mit den Konzerten Geld für andere wichtige Anliegen reinholen – und klar: Konzerte können auch ein Raum für ein gesünderes Vergnügen als den Drogen- und Alkoholmissbrauch sein. Aber hier war es meistens so, dass es viel Drogen- und Alkoholmissbrauch gab.
Bald werden wir jetzt aber Rattus hierher bringen. Eine Band aus Finnland, die uns sehr gefällt und die immer eine Inspiration für uns gewesen ist – auch wenn es keine politische Band ist, aber wegen ihrer Energie und ihrer Aufrichtigkeit. Das sind sehr nette und bescheidene Leute, die von uns nichts verlangt haben. Wir haben versucht andere Bands aus England oder von anderswo rüberzuholen, aber die haben Hotels und tausende von Dollar verlangt, damit sie spielen. Also haben wir den Kontakt abgebrochen. Wir sind an DIY interessiert und nicht daran, mit Managern zu verhandeln und so ein Zeug. Tatsächlich boykottieren wir Konzerte dieser Art hier in Mexiko. Uns gefällt so was wie die Holidays in the Sun Festivals nicht, die weltweit organisiert werden nur um das auszubeuten, was Punk mal war und es in etwas rein auf Musik beschränktes und kommerzielles zu verwandeln.
Was wir mit dieser Tour erreichen wollen ist die Punk-Kultur wiederzubeleben. Dass sie wieder mehr Jugendliche kennenlernen. Und daher eine inspirierende Band, deren Texte voller Wut und Energie sind und Relevanz haben. Nicht so wie Crust-Bands, die nur über Bomben und so ein Zeug singen. Dadurch werden wir auch mal sehen, wie die Konzerte so laufen, wer so kommt, andere Leute kennenlernen, sehen wie es so in anderen mexikanischen Bundesstaaten ist.10

M: Chiwy, du warst schon mal längere Zeit in Deutschland. Was denkst du sind die Unterschiede zwischen Punk in Mexiko und in Deutschland?
C: Als ich das erste Mal vor 10 Jahren dort war, war das für mich ein Schock, denn ich habe viele Unterschiede wahrgenommen. Als ich ihnen von Punk-Kollektiven erzählt habe, hat keiner verstanden, was denn ein Punk-Kollektiv sein soll. Sie waren der Meinung, dass Punks sich nicht so stark organisieren dürften – das wäre nicht Punk. Die einzigen, die irgendwie organisiert waren, waren diejenigen, die Konzerte machten. Und andere wollten nicht Punks genannt werden – sie sagten, Punks seien die, die auf der Straße leben, um Geld schnorren und sich besaufen, und sie selbst seien Crust oder irgendwas anderes. Und mir gefiel nicht, dass kaum jemand ein Fanzine machte – zu dieser Zeit machte hier in Mexiko fast jeder ein Fanzine, obwohl keiner Geld hatte, machten sie Fanzines per Fotokopie. Und dort, wo ich gewohnt habe, gab es eine Druckpresse und trotzdem hat keiner ein Fanzine gemacht.
Und die Leuten, mit denen ich zusammengelebt habe, schienen mir auch nicht so besonders politisch zu sein. Manchmal gab es politische Aktivitäten, die die Leute von der Antifa organisiert haben, und die Punks haben das unterstützt, aber sie waren nicht die, die sie angestoßen haben. Und ich, der hier her kam… in Mexiko und Lateinamerika ist der politische Anarchismus dank Punk wiederbelebt worden. Der war in allen Ländern fast tot und ist dadurch wieder aufgekommen. Wenn du eine anarchistische Bewegung haben wolltest, dann war das die Punk-Bewegung. Heute hat sich das weiter verbreitet und ausdifferenziert. Es gibt auch Anarchisten anderswo – aber die Mehrheit dieser Leute hat die Ideen aus dem Punk. Und das zu kennen und dann anschließend in Deutschland eine so entpolitisierten Punk zu sehen, hat mich schon ein bisschen enttäuscht.
Später habe ich gedacht, dass ihr aus kulturellen Gründen vielleicht andere Wege habt, euch zu widersetzen und zu rebellieren und dass ihr andere Dinge macht.Aber ich habe auch in anderen Ländern Europas gesehen, dass viele Punk nicht als Kultur sehen, sondern nur als Musikrichtung oder eine Art sich anzuziehen. Nun, das ist eine sehr komplexe Sache. Ich habe einige Zeit sehr schlecht darüber geredet, aber dann habe ich gedacht, man muss länger irgendwo wohnen und die Gründe für diese Dinge besser verstehen, sie besser kennenlernen. Ich habe halt viel Unterschiede entdeckt und es nicht geschafft, sie zu verstehen.
Manchmal denke ich, dass es für den Punk nicht gut ist, wenn es zu viel gesellschaftlichen Wohlstand gibt. Wenn es viel Geld gibt, viel Luxus, viele Annehmlichkeiten ist das kein gutes Umfeld dafür, wie sich Punk entwickelt. In den Ländern Lateinamerikas oder – wie berichtet wird – in Malaysia, auf den Philippinen sind die Punks besser organisiert und entschlossener, weil sie das Elend selbst erleben und nicht nur sehen, dass es das in anderen Ländern gibt. Außerdem sind sie viel stärker von Repression betroffen, also müssen sie kämpfen. Das ist ein Unterschied, den ich zu Deutschland oder anderen reichen Ländern sehe, wo es den Punks meist besser geht und sie in den Gesellschaften stärker akzeptiert und integriert sind.

PUNK UND POLITIK

M: Okay, wie ihr schon erzählt habt, organisiert ihr euch als Punks hier stark in Kollektiven – etwas was in Deutschland nicht besonders normal ist. Was heißt es für euch, sich in einem Kollektiv zu organisieren? Welche Ideen stehen dahinter?
S: „Kollektiv“ definiert das, was wir hier mit unserem Projekt vor allem beabsichtigen: Praktisch versuchen das Leben gemeinschaftlicher zu leben, in einer weniger individualistischen Weise, weniger auf sich selbst bezogen: Gemeinsam etwas auf die Beine stellen, gemeinsam leben, gemeinsam kämpfen, unser Wissen und unsere Sachen teilen, gemeinsam alles durchstehen. Klar gibt es immer wieder Konflikte, aber das ist dann ja nicht gleich das Ende, sondern das gehört mit dazu.
Diese Lebensweise hat in Mexiko und vielen Teilen Lateinamerikas eine lange Tradition, ist hier auch noch präsenter als in hochindustrialisierten Gesellschaften. Aber leider gerät das immer mehr in Vergessenheit. Es geht also auch darum wieder praktische Beispiele zu leben, zu zeigen, dass die Vorstellung, dass eine individualistische Lebensweise ein Privileg ist, ein ist Vorurteil.
Als ich noch sehr jung war, hatte ich bereits meine ersten Erfahrungen in Kollektiven. Ich fand toll, dass es Lernkreise gab, dass es einen Ideenaustausch gab. Das war etwas, dass ich vorher in meinen sozialen Umfeldern von Freunden und Familie so nicht kannte – da gab es nie eine so tiefgründige und breite Kommunikation. Das war alles viel oberflächlicher.
C: Als ich das erste Mal in ein Kollektiv eingetreten bin, war das mit der Idee, die Welt zu verändern. Als Jugendlicher und Anarchist hast du vor, die Welt zu verändern, die Gesellschaft zu verändern. Aber mit den Jahren merkst du, dass es nicht so einfach ist, die Welt zu verändern (lacht). Du lernst viel dazu, erfährst viele Enttäuschungen – sowohl von Menschen als auch von Ideen. Ich beabsichtige weiter eine Veränderung oder zumindest, sich als Person zu verändern, zu lernen, wie man mit anderen zusammen leben kann. Das ist eine der wichtigsten Sachen bei der Idee eines Kollektivs: Zu lernen, wie man gemeinsam und in Gemeinschaft leben kann und wie man etwas zusammen erreichen kann.
Unserer Meinung macht das kapitalistische, neo-liberale System die Menschen zu isolierten Individuen: Jeder in seinem Haus mit seinem Computer, mit seinem Auto – jeder mit seinen Besitztümern. Heute haben die Leute mehr Kommunikation über den Computer als im direkten Kontakt. Oft weißt du nicht, wer dein Nachbar ist, aber hast hundert Freunde bei Facebook. Um dagegen zu kämpfen, lernen wir, uns in Kollektiven und Gemeinschaften zu organisieren und so zu leben. Oft denken die Leute: „Es ist einfacher mein eigenes Fanzine alleine zu machen, um nicht auf andere Leuten angewiesen zu sein.“ Aber es ist wichtig zu lernen sich mit anderen Leuten zusammenzutun, denn, wenn du etwas verändern willst, musst du das mit anderen zusammen machen.
Und wir organisieren uns in Kollektiven, um unsere Ideen zu potenzieren: Ich alleine kann im Bereich von Freier Software einiges machen, aber wenn ich mich mit 5 Leuten zusammentue, können wir viel mehr machen. Ich kann von den Anderen lernen, ich kann mein Wissen teilen – also: lernen und lehren. Das sind die grundlegenden Idee dabei, sich in Kollektiven zu organisieren.

M:Ihr seht euch selbst sowohl als Punks als auch als politische Aktivisten. Wie und was ist für euch die Verbindung zwischen Punk und Politik?
P: Ich sehe Punk als Bewegung und als Einstellung. Eine rebellische Einstellung, eine Einstellung, die Dinge zu hinterfragen, die DIY-Idee, mit all dieser Energie und Wut, die Punk ausmacht. Und daher ist Punk automatisch politisch. Nun, es ist ein schwieriges Thema, denn es gibt Punks, die wenige politische Aktivitäten machen, nicht bewusst politisch sind, aber sie leben so, wie sie es wollen, sie leben die Punk-Einstellung. Wie gesagt: Für mich ist Punk selbstverständlicherweise politisch – aber bei wie vielen Aktivitäten man mitmacht und wie weit man sich als Punk sieht, das ist die Entscheidung jedes Einzelnen.
C: Ich sehe die Verbindung zwischen Punk und Politik auch als etwas selbstverständliches. Als ich die Songs gegen Polizei oder Regierung gehört habe, habe ich das nicht für ein Witz gehalten. Ich habe das ernst genommen. Und ich war der Meinung, dass man nicht nur protestieren muss, sondern auch Widerstand leisten und aktiv etwas dagegensetzen muss. Später habe ich gemerkt, dass viele dieser Bands absolut gar nichts machen. Das hat mich schon enttäuscht. Aber in mir haben sie mit ihren Texten etwas verändert. Es hat mich später auch überrascht, andere Leute zu sehen, die so unpolitisch waren. Auf dem ersten Konzert, auf das ich gegangen bin, hat es mich sehr enttäuscht, so viele Leute besoffen und mit Drogen vollgepumpt zu sehen. Und ich habe mich gefragt: „Wo ist hier die Anarchie? Wo ist hier eine politische Alternative?“ Daher habe ich dann Kollektive gesucht, um mich zu organisieren, weil ich bei den Konzerten nicht das Gefühl hatte, dass von diesen Vorstellungen etwas umgesetzt wird.
S: Punk hatte immer einen seiner Ursprünge in dem Gefühl von Ungerechtigkeit. Und da Punk sich immer als eine Gegen-Kultur verstanden hat, heißt das ja wohl, dass er gegen die dominante Kultur ist, die hilft, das Herrschafts-System zu stabilisieren. Sobald du das als Definition von Punk nimmst, definierst du ihn auch als etwas politisches. Das kann man nicht trennen. Man kann nicht sagen „Ich bin ein unpolitischer Punk!“. Punk ist politisch.
Einer der bedeutendsten Ausdrucksweisen des Punk ist die Do-It-Yourself-Einstellung, diese Lebensphilosophie. Die Einstellung, zu sagen, ich brauch kein großes Plattenlabel, keine große PR und all diese Scheiße. Das ist eine Art, die Selbstbestimmung, die Autonomie zu verwirklichen. Die Anarchie in einer sehr praktischen Weise, ohne das vorher theoretisch durchzureflektieren: „Wie Bakunin sagt… Wie Kropotkin sagt…“ – nein, der Gedanke war: „Warum soll ich diesen Typen gestatten, mich zu benutzen, um Geld zu verdienen? Ich mache das selbst!“ Die DIY-Einstellung hat Punk geholfen, seinen unabhängigen Geist, seine Autonomie zu bewahren. Diese Einstellung muss man sich erhalten, denn sie hat Punk bis heute am Leben gehalten.

M: Was sind eure Inspirationen bei dieser Verknüpfung zwischen Punk und Politik?
C: Das waren sogenannte „Peace-Punk-„ oder „Anarcho-Punk“-Bands: Crass, Conflict und viele andere aus England und Italien wie Wretched, die Leute von der Besetzung „Virus“. Wir haben davon ein Video gesehen und sie sagten, dass sie ein Haus besetzt haben, um in Gemeinschaft zu leben und den Drogen zu entkommen. Wenn die Punks auf der Straße leben, dann endeten sie früher oder später als Heroin-Abhängige. Also zogen sie es vor, einen Raum zu besetzen und eine Alternative zu den Drogen auf der Straße zu suchen. Diese Ideen sahen wir auch in anderen Kollektiven und besetzten Häusern in den USA, in Brasilien und anderen Ländern.
Danach probierten wir viele dieser Inspirationen aus und sahen, dass es anders war als man es sich vorgestellt hat. Dann waren vor allem wir selber unsere Inspirationen: Uns gefiel, was wir machten, und wir wollten es verbessern. Des Weiteren gibt es viele andere Inspirationen: Den Anarchismus, die Befreiungsbewegungen Lateinamerikas, die Situationisten11 und so weiter.
P: Neben dem was Chiwy schon gesagt hat, sind es die verschiedenartigen Autonomie-Bewegungen überall in der Welt, die die Punk-Kollektive ideologisch beeinflusst haben. Außerdem die Studierenden des 68er-Frühlings in Paris, der Dadaismus12. Die Einstellung die Dadaisten zu Kunst hatten, kann man als Metapher sehen, wie wir verschiedene Dinge sehen. Und viel auch die Art, wie sich Crass organisiert haben: Sie waren vor allem eine politische Gruppe, hatten – wie Penny Rimbaud sagt – sogar zeitweise starken politischen Einfluss. Gleichzeitig waren sie eine Musikgruppe und sie lebten im Kollektiv. Sie stellten ihre eigene Kleidung und ihr eigenes Essen her.
Das sind unsere Einflüsse: Sie sind in verschiedenen Dingen gescheitert und sie lebten in ihrer Zeit und ihrem Kontext – wir leben in unserer Zeit und in unserem Kontext und wir versuchen nicht die selben Fehler zu machen, die Andere vorher gemacht haben.
S: Einer meiner größten Einflüsse ist, dass ich schon seit vielen Jahren über die Umwelt nachdenke und was damit passiert: Die Verschmutzung und die Unverbundenheit, die wir als menschliche Spezies zu unserer Natur und unserer Umwelt haben. Wir müssen uns wieder als Teil dieser Natur begreifen, nicht denken, wir stünden auf der einen Seite und die Tiere und die Natur auf der anderen. Wir sind auch Tiere und wir sind auch Natur, wir sind verbunden mit dieser Natur.
Viele Einflüsse habe ich auch aus den indigenen Kulturen Lateinamerikas – ihre gelebte Autonomie, ihr Wissen, ihr Weltbild. Das ist sehr wichtig und kann uns weiterhelfen, aber es ist fast vergessen. Wir sind zwar Mischlinge zwischen den Spaniern und den Indigenas, aber es ist wichtig uns auch mit der indigenen Kultur und ihrem Wissen zu verbinden. Das sind keine Sachen aus der Vergangenheit oder etwas rückständiges, sondern sie weisen uns den Weg in eine bessere Welt. Die Industrialisierung hingegen ist keine Lösung für die Problem, die uns heute quälen, sondern hat noch mehr Probleme erzeugt.

M: Neben dem Leben im Kollektiv und dem Z.A.M. als Freiraum, wie lebt ihr euren politischen Überzeugungen praktisch in eurem Alltag?
C: Wie andere Menschen auch sind wir Personen, die konsumieren und diese Erde schädigen. Daher versuchen wir, eine nachhaltige Lebensweisen zu lernen – also zu versuchen, unserer Umwelt so wenig wie möglich zu schaden. Wir haben etwa einen Kompost, verwenden unser Wasser wieder, kaufen keine Produkte der mulitnationalen Konzerne, die den Menschen und dem Planeten besonders stark schaden.
P: Das sind alltägliche Praktiken bis hinunter auf die persönliche Ebene: Etwa kein Fleisch zu essen, bestimmte Produkte oder Marken nicht zu kaufen. Das sind sehr kleine Dinge, die wir alltäglich machen, aber damit verändern wir bereits etwas, erzeugen einen Wandel, der in uns selbst wächst. Es ist verdammt schwer, die Welt zu verändern, aber ich glaube, du kannst das verändern, was in deiner Umgebung ist, was in deinen Händen liegt, du kannst dich verändern. Wenn viele Menschen das verändern, was in ihren Händen liegt, dann wäre das schon ein großer Schritt nach vorne.
C: Wenn ich mich mit meinen Schulfreunden vergleiche – die Mehrheit von ihnen ist bereits verheiratet und hat eine Arbeit, die ihnen nicht gefällt, die sie aber machen müssen, um genug Geld zu verdienen. Die scheinen nicht besonders glücklich mit ihrem Leben zu sein – und zumindest bin ich zufrieden mit dem Leben, das wir gemeinsam aufgebaut haben. Dieser Art zu leben, ist für mich das Richtige. Sie gibt mir viel. Das ist das, was momentan eher möglich ist, um die Welt zu verändern. Aber man muss sich auch klar sein: Das reicht nicht aus – denn wenn du nicht weitermachst dafür zu kämpfen, dass sich generell etwas ändert, dann erdrückt der Kapitalismus dich und deinen kleinen selbstbestimmten Freiraum schnell wieder. Also müssen wir auch generell gegen die bestehenden Unterdrückungen kämpfen.

M: Ihr habt es schon erwähnt: Hier in Mexiko gibt es die Zapatistas und andere innovative linke Basis-Bewegungen – wie etwa die Bewegung in Oaxaca oder die Leute aus Atenco. In welcher Weise seit ihr mit ihnen verbunden? Wie unterstützt ihr sie und sie euch?
P: Erstmal sind wir den Zapatistas ideologisch verbunden. Sie haben uns gezeigt, dass es möglich ist selbstbestimmt zu leben. Einer ihrer ersten Ziele war es, autonome Gemeinden zu schaffen. Sie haben die Regierung darum gebeten, ihnen die Möglichkeit zur Autonomie zu geben. Die Regierung hat sie ihnen nicht gegeben, also haben sie sie selbst aufgebaut, gegen die Regierung. Sie sind für mich ein großes Vorbild, von dem wir gelernt haben, nicht zu warten, bis jemand uns die Erlaubnis gibt oder es für uns macht, sondern: Wenn uns etwas nicht gefällt, dann packen wir es selbst an.
S: Und direkt unterstützt haben wir sie auch. Wir haben Solidaritäts-Karawanen in die zapatistischen Gemeinden nach Chiapas mitgemacht, waren auf Demos und zapatistischen Treffen. Es ist wichtig, zu zeigen, dass die Zapatistas nicht alleine sind, sondern das es Unterstützung und Sympathie aus den Städten, innerhalb der Jugend und innerhalb der Punk-Szene gibt – auch wenn sie im Urwald sind und wir hier, weit weg von ihnen.
C: Was die anderen Bewegungen angeht – nun, wir sympathisieren ab dem Zeitpunkt, wo eine Gemeinde sikch gegen das wehrt, was die Regierung versucht ihnen aufzuzwingen. Etwa im Fall von Atenco, wo man versucht hat, ihnen ihr Land zu stehlen. Das sind Selbstversorgungs-Bauern, von denen die meisten ihr Land als ihre Mutter betrachten, etwas, das sie immer haben werden, das ihnen ihre Vorfahren weitergegeben haben. Und dann kam eines Tages die Regierung und wollte sie enteignen. Sie haben sich entschlossen Widerstand zu leisten und gegen die Regierung zu kämpfen13. Für uns ist das etwas sehr würdevolles, bewundernswertes, unterstützenwertes. Ganz ähnlich in Oaxaca, wo die Bevölkerung den alten Machthabern und ihren Seilschaften müde wurde. Daher sind sie auf die Straßen gegangen um zu kämpfen14. Wir versuchen das zu unterstützen, wo wir können, aber wir sind halt auch keine große oder besonders starke Gruppe.
Auf den Barrikaden in Oaxaca hat man immer Punks gesehen, in Atenco hat man immer Punks gesehen – die sind nicht die ersten und nicht die Anführer, aber man sieht sie immer bei diesen Kämpfen. Die Zapatistas haben auf ihrer Tour durch das ganze Land in vielen ihrer Erklärungen die Punks erwähnt. Sie erkennen uns als eine aufrichtige Kraft im Kampf an. Sie ist nicht groß, aber sie ist immer da und leistet Widerstand. Und die Zapatistas sagen, dass der beste Weg, ihnen zu helfen, nicht sei, nach Chiapas zu kommen, sondern, dass du dich bei dir zuhause organisierst und dort kämpfst. Und das ist das, was wir vor allem machen: Wir organisieren uns in unserem gesellschaftlichen Umfeld und kämpfen dort.
S: Eine der größten Hilfen, die man jeder Autonomie-Bewegung geben kann, ist selbst die Autonomie zu praktizieren.
P: Ja, wir haben versucht sie zu unterstützen, aber das Wichtigste ist, was wir tagtäglich von ihnen für unser Leben lernen und dass wir unsere Autonomie selbst leben.

M: Vielen Dank! Habt ihr noch Schlussworte?
P: Wen unser Freiraum hier, mit all seinen Aktivitäten und Ideen mehr interessiert, der kann sich unsere Website ansehen, mit uns in Kontakt treten und sich mit uns vernetzen. Meldet euch oder kommt vorbei!
C: Ja! Und organisiert euch in eurem gesellschaftlichen Umfeld und kämpft gegen die existierende Ausbeutung!

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Wer mit den Leuten aus der Z.A.M. in Verbindung treten will, der kann sich bei ihnen in Spanisch oder Englisch per Mail melden: zam---ait---riseup.net. Auf der Homepage der Z.A.M. (www.espora.org/zam) und der Furia de las Calles (www.espora.org/furia) gibt es noch mehr Infos – allerdings meist nur auf Spanisch. Mehr spanische Infos zum Hacklab, dem Hacker-Labor von Pirra, Chiwy und anderen findet ihr hier: http://hacklab.espora.org. Wer sich mehr für die Kunstkollektive von Santi und deren Arbeiten interessiert, findet hier mehr: www.justseeds.org (in Englisch) und www.colectivocordyceps.org (in Spanisch).

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  1. Autonome Zone Makhnovtchina [zurück]
  2. Für diesen sind das Situationen, in denen herrschende Gesetze und Ordnungen zeitweise und örtlich begrenzt außer Kraft treten, Autoritäten ihre Macht verlieren und unvorhersehbare, gemeinschaftliche Erfahrungen möglich werden, mehr unter: www.de.anarchopedia.org/Temporäre_Autonome_Zonen [zurück]
  3. Die Makhnovtchina-Bewegung kämpften am Anfang des 20. Jahrhunderts für eine anarchistische Gesellschaft und widersetzte sich dabei zunächst der Armee des Zaren und später den Bolschewisten; mehr unter: http://en.wikipedia.org/wiki/Free_Territory [zurück]
  4. Wut der Straße [zurück]
  5. Aufsässigkeit [zurück]
  6. Ein südlicher Bundesstaat Mexikos [zurück]
  7. Stadt an der Grenze zu Kalifornien [zurück]
  8. Jahrestag des Massakers bei dem 1968 in Mexiko Stadt hunderte von friedlichen Demonstrant_innen von Polizei und Armee erschossen wurden. [zurück]
  9. Wöchentlicher Subkultur-Markt in Mexiko Stadt [zurück]
  10. Mittlerweile waren Rattus schon in Mexiko und laut Pirra war die Tour ein großer Erfolg – auf der Rattus-Homepage gibt es dazu einige Videos und Fotos: www.rattus.fi [zurück]
  11. In den ’60ern linksradikale, anti-kapitalisitsche Künstler_innen- und Intellektuellen-Gruppe, die Kunst mit Politik und Alltagsrealität verbanden. [zurück]
  12. Während des 1. Weltkrieges entstanden, war der Dadaismus eine anarchische Künstler_innen-Revolte gegen die Konventionen der Kunst und das Wertesystem der Gesellschaft. [zurück]
  13. Auf dem Land der Gemeinde wollte die Regierung 2002 einen neuen Flughafen für das nahe Mexiko Stadt bauen. Die Bewohner_innen wehrten sich dagegen und hatten schließlich Erfolg: Der Flughafen wurde nicht gebaut. Anschließend waren sie aber immer wieder Opfer brutaler behördlicher und polizeilicher Repression. Es gab Tote, Verletzte, Folter, Vergewaltigungen und politische Gefangene. [zurück]
  14. Im Bundesstaat Oaxaca wurde 2006 nach brutaler polizeilicher Repression gegen Protestierende, Regierung und Polizei von einer breiten sozialen Bewegung aus der Hauptstadt vertrieben. Erst nach mehreren Monaten schaffte es die Bundespolizei mit brutaler Gewalt, die Hauptstadt wieder einzunehmen – dabei wurden viele Menschen erschossen oder schwer verletzt. [zurück]