Eine erfahrbare Alternative gegen die militaristische Kultur schaffen

Kolumbianisches Straßentheater zu Gast in Düsseldorf

Erschienen in: TERZ – autonome Stattzeitung für Politik und Kultur in Düsseldorf und Umgebung, Nr. 06/2009
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Am 16.6. wird die Straßentheatergruppe von „Red Juvenil“, einer antimilitaristische linken Jugendorganisation aus Medellín, im Linken Zentrum ihr Stück „Entre Cuerpos y Tambores Habla la Esperanza“ aufführen. Anschließend berichten sie über die Situation in ihrer Heimat.

Kolumbien bietet für jungen Menschen kaum Chancen. Arbeitsplätze sind rar, eine ausreichende Bildung bekommen nur die, die es sich leisten können. Reichtum, Macht und Chancen konzentrieren sich in den Händen Weniger. Gewalt bestimmt den sozialen und politischen Alltag: Seit Jahrzehnten herrscht sowohl Bürger- als auch Drogenkrieg, beide eng miteinander verbunden. Polizei, Militär und Paramilitär, Drogenkartelle und die Guerilla – alle Seiten leben mittlerweile von der Fortdauer dieses Konflikts, der ihnen Macht und Auskommen sichert und aus dem daher ein Ausweg immer schwieriger wird.
Diese Lage hat eine militaristische Kultur aus Angst und Überwachung hervorgebracht, die die Regierung nutzt um jede Opposition auszuschalten. Kritische Stimmen werden eingeschüchtert und ermordet. Die durchaus existierende und widerständige Zivilgesellschaft ist dadurch ständig bedroht.

Leidtragende sind bei alldem gerade die Jugendlichen. Sie haben oft nur die Wahl ihre Chance im boomenden Drogenhandel zu suchen, sich an Schutzgelderpressung oder Auftragsmorden zu beteiligen oder bei der staatlichen Gewaltmaschine aus Militär und Polizei anzuheuern. Es fehlen die Möglichkeiten alternative Lebensformen kennenzulernen und zu leben, die Möglichkeiten über Kreativität und in Gemeinschaft mit anderen eine Identität aufzubauen, von der aus Widerstand und gesellschaftliche Veränderung möglich werden.

Genau hier setzt „Red Juvenil“ an. Als antimilitaristisches Netzwerk basisorientierter Jugendgruppen aus Medellín organisiert es Kulturangebote für die Jugendlichen, unterstützt Kriegsdienstverweigerer und leistet durch direkte gewaltfreie Aktionen Widerstand gegen die staatlichen und paramilitärischen Gewaltapparate. Ziel ist es, der militaristischen Kultur in Staat und Gesellschaft eine lebbare Alternative entgegenzusetzen.

Solch gelebter Widerstand gegen die brutalen Herrschaftsverhältnisse führt jedoch immer wieder zu Drohungen gegen die Mitglieder des „Red“. So etwa im Mai 2008, als die bekannte paramilitärische Gruppe der „Aguilas Negras“ acht namentlich genannten Mitgliedern des Netzwerkes mit dem Tode drohte. Drohungen, die in Kolumbien wiederholt wahr gemacht wurden. Die staatlichen Autoritäten unternehmen nichts, gegen solche Einschüchterungen. Stattdessen blasen sie ins selbe Horn und rücken – wie erst kürzlich geschehen – „Red Juvenil“ und andere regierungskritische Gruppen als „Unterstützer von Terroristen“ in die Nähe der FARC-Guerillas.

Die Aktivisten des „Red“ lassen sich jedoch nicht einschüchtern. Sie sehen sich in der Tradition sozialer Kämpfe überall in Amerika. Besonders betonen sie hierbei die Bedeutung von alternativer Kultur und politischer Kunst. Diese soll auch bei ihrem Straßentheater ein Werkzeug sein, einerseits aktiv in die sozialen und politischen Prozesse einzugreifen und andererseits eine selbstbewusste, widerständige Identität aufzubauen. „Entre Cuerpos y Tambores Habla la Esperanza“ wird aufgeführt von jungen Leuten aus den Armenvierteln in Medellín. Durch Rhythmus, Musik und Tanz wollen sie ihre soziale Wirklichkeit darstellen und darüber Selbstvertrauen und die Kraft für Veränderung gewinnen.

Nach der Aufführung werden die Laienschauspieler über die Situation in Kolumbien und ihre Kämpfe dort berichten und Fragen aus dem Publikum beantworten. Das Stück kommt ohne Sprache aus, anschließend wird es eine deutsch-spanische Übersetzung geben.

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